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(Babies from Dani Lima on Vimeo)

In den letzten Monaten hat mich das Elternwerden viel beschäftigt; obwohl ich zu den meisten Dingen schon vorher eine klare Haltung hatte, habe ich viel gelesen, vor allem in Blogs.
Da habe ich einiges gelernt, und überhaupt viel Input zu all diesen Themen gefunden; auch viele Standpunkte, mit denen ich gar nicht übereinstimme, aber es trotzdem interessant fand, das mal gelesen zu haben, aus der Lebensrealität der anderen.

Der Film hier oben hat mich sehr beeindruckt – und ich komme immer wieder zu ihm zurück, auch wenn ich nach Antworten auf neue Fragen suche.

Im sehenswerten Dokumentarfilm “Babies”, den man in voller Länge auf Vimeo sehen kann, werden vier Kinder von Geburt an durchs erste Lebensjahr begleitet.
Ein Kind lebt in Tokio, eins in San Francisco, eins in der Mongolei und eins in Namibia.
Der Film kommt ohne viele Worte aus, genau wie Babies selbst in ihrem ersten Lebensjahr.
Jedes dieser Kinder wächst unterschiedlich auf; faszinierend sind sowohl die Parallelen als auch die starken Gegensätze.

Ohne jetzt zuviel vorweg zu nehmen – insgesamt werden alle Kinder ganz gut groß gezogen; was man von den einzelnen Methoden hält, ist dann Geschmackssache.

Und doch hilft es total, sich bei jeder komplizierten Fragestellung zum Thema Kindererziehung daran zu erinnern: es gibt tausend verschiedene Wege, das alles zu machen, aber keinen allgemeingültigen “richtigen” Weg.
Viele der Dinge, die wir als gegeben betrachten, sind Ausdruck unserer Kultur und auch hier erst seit kurzem gültig. Es gibt tausende Eltern, die jedes Thema ganz anders sehen; die ganz andere Mittel zur Verfügung haben und trotzdem patente Menschen heran ziehen.

Ich rege mich über das Thema Kinderkleidung auf, seit ich mich damit beschäftige; Das Nuf hat das Problem sehr schön beschrieben: Kinderkleidung wird in übertriebenem Maße (von Geburt an!) gegendert; das Ganze natürlich als Marketingstrategie, damit Eltern alles doppelt kaufen müssen und die Sachen nicht quer über alle Geschwister aufgetragen werden können.
So sehr ich mich darüber aufrege, dass tatsächlich auf dem Spielplatz 95% der Kinder genderkonforme Farben und Kleidung tragen und die Mädchen alle wie kleine Popstarprinzessinnen aussehen – im gleichen Moment entspannt es mich wieder, sowohl das “Problem” als auch die Debatte darüber als Spiegel unserer aktuellen gesellschaftlichen Lage zu sehen.
Uns geht’s zu gut, wir leben im Überfluss: zuviel Wohlstand, zuviel Langeweile, und zu wenig existentielle Probleme, so dass wir uns mit diesen Themen beschäftigen können.
(Nein, das wird jetzt nicht moralisch-predigend; das Ganze lediglich als Feststellung: sobald ich abends die Tagesschau einschalte, bekomme ich schlechte Laune sowie das Gefühl, dass wir langsam als Letzte mitten in Europa auf der Insel der Glückseligkeit sitzen, während der Rest der Welt durchdreht.)

Wie wir unsere Kinder erziehen, kleiden und ernähren, sagt hier vor allem viel über uns selbst und unseren Habitus aus, unsere Kinder sind ein Abbild unserer Werte und der eigenen Identität(skrise). Anderswo mag das deutlich pragmatischer und entspannter sein; aber auch da ist natürlich Kindererziehung kulturell verankert.
Ein Blick auf das Kind aus Namibia in dem Film oben zeigt ganz gut, dass man Kinder sogar ganz ohne Kleidung aufziehen kann; das scheitert hier in Deutschland schon primär am Wetter, aber eine Möglichkeit so aufzuwachsen bleibt das trotzdem.

Nach langer Zeit und wahrscheinlich auch für lange Zeit mal wieder im Kino gewesen und Boyhood gesehen und ihn rundum gut gefunden. Wie toll es ist, einen Film über 12 Jahre zu drehen; zu hoffen, dass das klappt. Dass alles gut geht und alle bis zum Ende mitmachen wollen und können.
Wie bewegend der Film ist, unaufgeregt und leise. Wie man zwischendurch das Gefühl hat, dass das Leben genau so ist, kein bißchen glamourös, sondern sehr real und an manchen Stellen auch recht hart. Wie man über die Jahre sieht, was aus Entscheidungen wird. Wie manche Dinge funktionieren und andere nicht, und wie man dann einfach weitermacht und auch zwischendurch immer wieder neu anfangen kann und muss.
Wie sich das Erwachsenwerden anfühlt: für die Kinder und auch für die Eltern, die manchmal gar nicht so schnell hinterher kommen.
Selten hat ein Film so einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen, voll auf die 12; dieses Gefühl schon beim ersten Anschauen, dass das einer der besten Filme ist, die ich je gesehen habe, und den ich wahrscheinlich noch lange später als einen Allzeitfavoriten nennen werde.
(Und dann ist auch noch der Soundtrack toll!)


Schon etwas älter und dennoch großartig: Ellen DeGeneres stellt einen neuartigen Stift vor, der speziell für Frauen ist. Einen eigenen Werbespot hat sie dafür auch gedreht. Ja, ja und ja.

Was Ghayeb und all die anderen brauchen, ist eine Antwort, ob wir es ernst meinen, unser Versprechen auf Schutz vor Verfolgung, oder ob wir Mitleid nur mit den Bildern von leidenden Menschen im Krieg in der Ferne haben, aber nicht mit den realen Menschen hier in den Heimen an unserer Peripherie.

Es gibt verschiedene Arten von Unsichtbarkeit. Manche Menschen werden nicht gesehen, weil sie sich verstecken, manche werden nicht bemerkt, weil sie in Gegenden leben, die man nie besucht, an der Peripherie, und manche Menschen werden nicht gesehen, weil man wegsieht oder durch sie hindurch.

Was sichtbar wird, wenn man sich an den Rand begibt und die Umfangslinie abschreitet, sind nicht sie, sondern wir.

Wie geht es denen, die bei uns Zuflucht suchen? Ein halbes Jahr lang haben wir die Menschen in der Erstaufnahme-Einrichtung für Flüchtlinge in Eisenhüttenstadt begleitet.

Ein langer, lesenswerter Text von Carolin Emcke im Zeit Magazin.

„Und jetzt frage ich mich die ganze Zeit, vornehmlich nachts, wenn die Dunkelheit mich abdriften lässt: Was habe ich eigentlich gesucht? Warum habe ich es nicht gefunden? Was habe ich stattdessen gefunden? Wo ist das jetzt? Warum hat mich das Reisen zum Schluss so furchtbar krank gemacht? Mir geht die ganze Zeit im Kopf herum, dass ich nichts habe, dass ich nicht einmal Freunde habe, nur Bekanntschaften, über die ganze Welt verstreut und für die war ich eine lustige, kurze Begleitung, gone with the wind.“

Kurzes Schweigen, Luft holen.

Mercedes Lauenstein hat für das Blog Magazin bei wildfremden Menschen mitten in der Nacht an Türen geklingelt, um zu fragen, warum sie noch wach ist.
Absolut lesenswerte Geschichten: vielleicht gerade, weil die Nacht die Interviewten offener macht; vielleicht auch, weil da endlich jemand kommt und nachfragt.


Einen längeren Jahresrückblick geschrieben und dann wieder gelöscht, am Ende reicht ein Satz: Fare thee well, 2013.

Immer wieder gut: 1000 Zeichen. Vielleicht wirklich eine meiner unaufgeregten Lieblingsseiten; weil die Geschichten angenehm kurz und lesenswert sind.

Auch gut: The Grace of Gray. Wunderschöne Frauen mit grauem Haar. Und: Painting Morgan Freeman.

Wahnsinnig gut: Schattenkunst.

Total gut: Sugru. In diesem Produktvideo sieht man, was man alles damit machen kann: toll. (Normalerweise empfehle ich überhaupt keine Produkte, aber dieses selbsthärtende Silikongummi ist schon eine tolle Erfindung – die unzähligen Möglichkeiten!)

Eine ziemlich gute Geschichte: Ein Mann fand per Google Earth nach 20 Jahren seine Familie wieder. (Longread!)

Ebenfalls gut: Ein Reisetagebuch aus Peru. (Ja; ein paar viele Selbstportraits; aber die Bilder der traditionellen Kleidung! Die Farben! Das Wetter!)

 


Die letzten Wochen des Jahres rasen jetzt nur so durch: zweimal blinzeln, dann ist Weihnachten, ein paar Tage schlafen, dann ist Silvester. Dazwischen: allerortens Ausnahmezustand und beim Postamt steht man zu jeder Tageszeit in einer Schlange, die bis auf die Straße reicht. Immerhin, die Zeit rast so durch, das ist auch was Gutes.

Zum NachdenkenThe Education of my Mother: Dieser Text hat mich nachdenklich gemacht. Some people want to be moms. Some moms, like mine, aren’t given any choice in the matter.

Zum Nachsehen: Pictured emotions by Ben Zank. Und noch ein anderes Video: Invisible parents.

Zum Nachlesen: Ein Schwung Texte aus dem SZ-Magazin; tatsächlich bleibe ich jedes Mal auf der Seite hängen und finde ständig noch einen interessanten Text. In “Schamlos” macht sich Paul-Philipp Hanske Gedanken über den gesellschaftlichen Zwang zur Rasur, in “Der Mann, der alles isst” geht es um einen Foodhunter; dazu noch ein lesenswertes Interview mit Ben & Jerry, Lieblingssatz: Bis heute wundern wir uns darüber, dass aus uns beiden zwei angesehene Geschäftsleute geworden sind!

Zum Nachbacken: Diverse Foodbloggerinnen haben zusammen ein Backmagazin namens Hilda mit Plätzchenrezepten rausgebracht. Sieht schön aus. Auch schön: Der Schoko-Gewürzkuchen im Glas, den man entweder verschenken oder einfach selbst behalten kann.


Vor kurzem war ich in San Francisco und im Valley, es fühlt sich nach zwei grauen Wochen in Berlin schon wieder an, als läge eine Ewigkeit dazwischen.
Ein paar Tipps für Dinge, die man ansehen kann und Orte, die man besuchen kann, habe ich mitgebracht; für alle, die demnächst hinfahren oder irgendwann später.


Essen & Kaffee

Tartine Bakery

Die Tartine Bakery noch zu empfehlen, fällt wohl unter Eulen nach Athen tragen, oder eher preaching to the choir, aber halleluja. Bitte unbedingt hungrig kommen, ich lief aus Versehen sehr satt dran vorbei. Die Lemon Creme Tartes wären die Gründung einer eigenen Religion wert. Amen.

Schmidt’s

Im Ausland in ein deutsches Restaurant zu gehen – ist eigentlich verboten, dann aber doch immer wieder schön, wenn man nach zwei Wochen Weißbrothölle ein Pumpernickel auf dem Vorspeisenteller findet. Reservieren hilft, vor allem am Wochenende, sonst wartet man etwa 40 Minuten auf den Tisch; aber ich würde es wieder tun.  Nach dem Schmidt’s direkt weiter zu Trick Dog:

Trick Dog Bar

Die Karte für die Drinks ist so fancy, dass ich sie erst beim jetzigen Nachlesen auf der Website  verstanden habe. Man bekommt da famose kleine Snacks, zum Beispiel Cracklins, was ein bißchen so ist, als könnte man vom Schweinebraten nur die Kruste bestellen. (Vielleicht versteht man diesen Wunsch nur, wenn man aus Bayern kommt.)

Trouble Coffee

Wenn man mit dem N-Train in Richtung Ocean Beach fährt, findet man etwa eine Haltestelle vor der Endstation Trouble Coffee – ein winziger Laden, sehr guter Kaffee, ein paar Snacks wie French Toast. Der perfekte Zwischenstopp, um mit einem hervorragenden Kaffee in der Hand zum Strand zu laufen, die Füße im Sand zu vergraben und den Surfern zuzuschauen.


Schauen & Freuen

Tantrum

Keine Ahnung, wie ich diesen Laden gefunden habe – plötzlich stand ich drin, und musste alles anfassen. Am Ende habe ich doch nur zwei Postkarten gekauft – aber hätte ich schon Kinder, hätte ich den Laden für sie leergekauft. Yes, please.

Academy of Sciences

Das Museum hat das Motto “Let the Wonder Begin”, und genauso war’s: ich verbrachte Ewigkeiten im Aquarium, staunend von den Quallen zu den Seesternen, wahnsinn, dann noch im Planetarium viel gestaunt und dann war da noch ein riesiger Urwald. Wahnsinn.

David Hockney // De Young Museum

Direkt neben der Academy of Sciences liegt das De Young Museum – und da wird bis zum 20. Januar 2014 noch David Hockney: A Bigger Exhibition gezeigt. Man durfte dort nicht fotografieren, aber: eine Riesenempfehlung. Der Mann malt wie ein Verrückter, was für ein Output – es ist beeindruckend, seine künstlerische Entwicklung zu sehen,  in der viele der neueren Bilder auf dem iPad gemalt wurden.

Ocean Beach

Baden kann man zu dieser Jahreszeit irgendwie nicht mehr, am Strand ist eher Mützenwetter, das stört die Surfer aber nicht. Man sollte grundsätzlich so oft ans Meer fahren, wie man kann, es öffnet das Herz. (Und vorher Kaffee bei Trouble Coffee mitnehmen, das wärmt den Rest.)


Und sonst so?

Robben am Pier 39
Das Pier 39 ist schon hart an der Tourismusschmerzgrenze vorbei (das dortliegende Bay Aquarium kann man gut überspringen), aber die Robben, die sind dann doch super. Außerdem fährt man dort schön hin (F-Train!) und dann kann man verschiedene Boots-Touren machen, entweder als Rundfahrt oder nach Alcatraz.

F-Train fahren
Zum Pier 39 fährt man am schönsten im F-Train. In jedem Wagen hängt eine Schautafel, der die Herkunft und Vergangenheit der einzelnen Straßenbahn erzählt.

Alcatraz
Eine dieser Sehenswürdigkeiten, über die man viel gehört hat – und trotzdem eigentlich nichts Genaues weiß. (Karten für die Tour müssen etwa fünf Tage im Voraus gebucht werden.)

Stanford
Wenn man sowieso im Valley unterwegs ist, lohnt sich ein Besuch auf jeden Fall – Palo Alto an sich ist recht langweilig. Allein der Parkplatz von Stanford ist größer als die meisten deutschen Universitäten, und es gibt einen kostenlosen Bus Shuttle Service, der von der Caltrain Station verschiedene Orte auf dem Campus anfährt. Empfehlenswert ist der Hoover Tower und das Museum auf dem Campus, das Cantor Arts Center, die Memorial Church und das Herumschlendern an sich.


Wochenendtrip: South Lake Tahoe

Wenn man eine Weile in der Bay Area ist und Zeit genug für einen Wochenendtrip hat, empfiehlt sich ein Ausflug nach South Lake Tahoe – man kann da prima spazieren und im Winter auch diverse Aktivitäten wie Skifahren & Co. machen. Ansonsten vielleicht auch einfach flanellpyjamatragend in einer Hütte sitzen und Glühwein trinken, das ist ja meine spezielle Vorstellung von Hüttengaudi.

PS. Leser Björn hat zu diesen Empfehlungen eine Foursquare Liste angelegt: A happy guide to San Francisco.

Gute Reise!