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(Start bei Minute 1:10; Choir Choir Choir – Space Oddity Cover)

Nachts geträumt, dass ich eine neue Band habe und wir auf einem Start Up-Event vorspielen, ich an der Trommel; keine Ahnung, was mir das sagen soll. Das Choir Choir Choir Bowie Cover oben, in dem 500 Leute zusammen singen, trifft mich dann unvorbereitet, volle Breitseite. Musik erreicht ja manchmal Stellen, die für Logik völlig unerreichbar sind. Meistens fühle ich zu viel oder zuwenig, heute eher zu viel, and I’m floating in the most peculiar way.
Es müsste immer Musik da sein, bei allem, was du machst; einer der meist verwendeten Sätze in Onlineprofilen der 00er-Jahre und das Indie-Pendant zum Kleinen Prinzen, immernoch unentschieden, ob manche Momente nicht doch ohne Musik besser sind.
(Trotzdem stark verliebt in diesen Chor – gefühlt haben sie alle guten Lieder schon gesungen.)


Eine Weile hat es mir nicht gefehlt, zu schreiben; im Gegenteil, ich dachte, ich wäre fertig damit. Es wuchsen keine Texte nach, früher wuchsen die einfach in mir drin, ganz normal.
Dazwischen dann zuviel Leben, und die Krux, dass ich noch nie genau über das Leben und die Arbeit schrieb und die Metaebene zu anstrengend war.

Gestern habe ich mich hier festgelesen und es doch vermisst. Die Sachen auf den Punkt bringen, jedenfalls für kurze Momentaufnahmen, das war immer mein Ding, nie die Langstrecke, lieber nur ein paar Absätze, zackbummrausveröffentlichen.
Jetzt fühlt es sich knirschend an, wie nach langer Zeit auf Schlittschuhen stehen, ziemlich spackig, aber blog like nobody’s watching geht ja immernoch und immer wieder.

Dieses Jahr werde ich 30, die Älteren lächeln jetzt milde, whatever, es fühlt sich dennoch wie eine Zäsur an, wobei es eigentlich nur eine Angleichung des Äußeren an die inneren Verhältnisse ist; das Leben fühlt sich schon seit Längerem nach dreißignochwas an, falls man Zahlen denn fühlen kann.
Trotzdem, das hier ist schon das nächste Kapitel im Handbuch des Erwachsenwerdens; und weil ich jetzt schon so gerne in den vielen vergangenen Jahren hier nachlese, schreibe ich weiter, ein paar Momentaufnahmen. Um dann in zehn Jahren wieder dazusitzen und mich zu wundern, was ich in meinen 30ern alles dachte und was mich so beschäftigte. Man lebt das Leben ja vorwärts und versteht es erst rückwärts, es reicht in der Zwischenzeit, das zu wissen.

Ein paar Dinge, die mir im Dezember gute Laune machen und auch gut in die Zeit zwischen den Jahren passen – genau dann, wenn im Internet nichts Neues drin steht und etwas Beschäftigung nach dem siebten Plätzchenteller absolut passt.

Make it so (Let it snow)
Siehe Video oben: Weihnachtsstimmung für Nerds. Ich finde es immer wieder toll, dass es Menschen gibt, die sich die Mühe machen, sowas zusammenzuschneiden. #ilovetheinternet

Billy Bob Thornton in der Serie “Fargo”
Als Schauspieler bisher grandios unterschätzt; irgendwie ist er mir nie besonders aufgefallen. Aber die Rolle des Lorne Malvo scheint genau für ihn gemacht zu sein – absolut grandios gespielt. “Fargo” selbst ist eine Mischung aus Krimi und Dark Comedy; man kann auch ohne Spoilergefahr sagen: Es wird da schon ganz gerne geschossen. (Hier der offizielle Trailer der Serie, den ich nur so mittelaussagekräftig finde: die Serie kann mehr als der Trailer.)

Die Fotos des Jahres verarbeiten
Wenn es ein Geschenk werden soll, bleiben noch etwa 2 Tage, damit Fotobücher rechtzeitig entwickelt werden können und noch ankommen – Steffi von OhhhMhhh hat einen Tipp für einen Fotobuchdienstleister, der “auch für Technikspacken” leicht schöne Ergebnisse liefert. Ansonsten wäre jetzt auch noch ein guter Zeitpunkt, die Fotos des Jahres entwickeln zu lassen und sie dann zwischen den Jahren ganz altmodisch in ein Album einzukleben. So wie damals!

Ideen und Inspiration für das neue Jahr sammeln
Gute Vorsätze für das neue Jahr, das sind die, die nie umgesetzt werden; man kann sie sich also auch direkt sparen. Schöner ist eine interne Bilanz des fast vergangenen Jahres:
Was war gut, was kann bleiben? Was war nicht so gut, was passt nicht mehr, was soll im alten Jahr zurückbleiben?
Und dann Ideen für das neue Jahr sammeln: eine Freundin plante mal für jeden Monat ein neues kleines Projekt – im Januar ging es ums fotografieren, im Februar hat sie ein Zimmer renoviert, im März jeden Tag geschrieben und so weiter… wenn man da 12 kleine Dinge findet, die den Horizont erweitern, ist das schön. Und wenn mal ein Projekt nicht durchgehalten wird, ist es nicht so schlimm und deswegen nicht der ganze Vorsatz hinüber. Was auch gut ginge: jede Woche ein neues Rezept ausprobieren, in einem Sommermonat jeden Tag eine neue Eissorte probieren, alle zwei Wochen einen interessanten TED Talk ansehen, oder einen Massive Open Online Course zu einem Thema belegen, das einen schon lange interessiert. (Eine breite Übersicht an MOOCs findet man u.a. hier bei Coursera)

Nach langer Zeit und wahrscheinlich auch für lange Zeit mal wieder im Kino gewesen und Boyhood gesehen und ihn rundum gut gefunden. Wie toll es ist, einen Film über 12 Jahre zu drehen; zu hoffen, dass das klappt. Dass alles gut geht und alle bis zum Ende mitmachen wollen und können.
Wie bewegend der Film ist, unaufgeregt und leise. Wie man zwischendurch das Gefühl hat, dass das Leben genau so ist, kein bißchen glamourös, sondern sehr real und an manchen Stellen auch recht hart. Wie man über die Jahre sieht, was aus Entscheidungen wird. Wie manche Dinge funktionieren und andere nicht, und wie man dann einfach weitermacht und auch zwischendurch immer wieder neu anfangen kann und muss.
Wie sich das Erwachsenwerden anfühlt: für die Kinder und auch für die Eltern, die manchmal gar nicht so schnell hinterher kommen.
Selten hat ein Film so einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen, voll auf die 12; dieses Gefühl schon beim ersten Anschauen, dass das einer der besten Filme ist, die ich je gesehen habe, und den ich wahrscheinlich noch lange später als einen Allzeitfavoriten nennen werde.
(Und dann ist auch noch der Soundtrack toll!)


Schon etwas älter und dennoch großartig: Ellen DeGeneres stellt einen neuartigen Stift vor, der speziell für Frauen ist. Einen eigenen Werbespot hat sie dafür auch gedreht. Ja, ja und ja.

Was Ghayeb und all die anderen brauchen, ist eine Antwort, ob wir es ernst meinen, unser Versprechen auf Schutz vor Verfolgung, oder ob wir Mitleid nur mit den Bildern von leidenden Menschen im Krieg in der Ferne haben, aber nicht mit den realen Menschen hier in den Heimen an unserer Peripherie.

Es gibt verschiedene Arten von Unsichtbarkeit. Manche Menschen werden nicht gesehen, weil sie sich verstecken, manche werden nicht bemerkt, weil sie in Gegenden leben, die man nie besucht, an der Peripherie, und manche Menschen werden nicht gesehen, weil man wegsieht oder durch sie hindurch.

Was sichtbar wird, wenn man sich an den Rand begibt und die Umfangslinie abschreitet, sind nicht sie, sondern wir.

Wie geht es denen, die bei uns Zuflucht suchen? Ein halbes Jahr lang haben wir die Menschen in der Erstaufnahme-Einrichtung für Flüchtlinge in Eisenhüttenstadt begleitet.

Ein langer, lesenswerter Text von Carolin Emcke im Zeit Magazin.

„Und jetzt frage ich mich die ganze Zeit, vornehmlich nachts, wenn die Dunkelheit mich abdriften lässt: Was habe ich eigentlich gesucht? Warum habe ich es nicht gefunden? Was habe ich stattdessen gefunden? Wo ist das jetzt? Warum hat mich das Reisen zum Schluss so furchtbar krank gemacht? Mir geht die ganze Zeit im Kopf herum, dass ich nichts habe, dass ich nicht einmal Freunde habe, nur Bekanntschaften, über die ganze Welt verstreut und für die war ich eine lustige, kurze Begleitung, gone with the wind.“

Kurzes Schweigen, Luft holen.

Mercedes Lauenstein hat für das Blog Magazin bei wildfremden Menschen mitten in der Nacht an Türen geklingelt, um zu fragen, warum sie noch wach ist.
Absolut lesenswerte Geschichten: vielleicht gerade, weil die Nacht die Interviewten offener macht; vielleicht auch, weil da endlich jemand kommt und nachfragt.


Einen längeren Jahresrückblick geschrieben und dann wieder gelöscht, am Ende reicht ein Satz: Fare thee well, 2013.

Immer wieder gut: 1000 Zeichen. Vielleicht wirklich eine meiner unaufgeregten Lieblingsseiten; weil die Geschichten angenehm kurz und lesenswert sind.

Auch gut: The Grace of Gray. Wunderschöne Frauen mit grauem Haar. Und: Painting Morgan Freeman.

Wahnsinnig gut: Schattenkunst.

Total gut: Sugru. In diesem Produktvideo sieht man, was man alles damit machen kann: toll. (Normalerweise empfehle ich überhaupt keine Produkte, aber dieses selbsthärtende Silikongummi ist schon eine tolle Erfindung – die unzähligen Möglichkeiten!)

Eine ziemlich gute Geschichte: Ein Mann fand per Google Earth nach 20 Jahren seine Familie wieder. (Longread!)

Ebenfalls gut: Ein Reisetagebuch aus Peru. (Ja; ein paar viele Selbstportraits; aber die Bilder der traditionellen Kleidung! Die Farben! Das Wetter!)