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Wettschulden sind Ehrenschulden, auch morgens um acht, also lege ich die Bügelflasche auf das Kassenförderband, sonst nichts, ich brauch’ nichts; jedenfalls nichts aus dem Sortiment hier. Die Frau vor mir legt mit zittrigen Händen einen Warentrenner zwischen ihre vier Whisky-Cola-Dosen, den blassen Scheiblettenkäse und meine Bierflasche.
Diese Uhrzeit also. Sie zahlt und kramt mühsam ihre Einkäufe zusammen, als ich plötzlich dran bin und die Kassiererin die Flasche blitzschnell über das Scannerlicht zieht.
Ob es dafür nicht ein bißchen zu früh wäre, fragt sie mich.

Alles, was ich sagen könnte, würde sich sowieso nach einer schlechten Ausrede anhören; also sage ich nichts. Ich bin nicht gekommen, um mich zu rechtfertigen, nicht hier, nicht jetzt; erst recht nicht, während die Frau neben mir ihre Whiskymischgetränke in ihre zu kleine Tasche drückt. Das ist eine der Errungenschaften des Erwachsenwerdens: in jüngeren Jahren hätte ich nach so einer Frage die Flasche direkt in der Kassenzone geöffnet und mit großen Schlucken geleert, um dann die Kassiererin  zu fragen, ob sie mir nicht einfach gleich den Flaschenpfand zurückgeben kann. Jetzt also nicht mehr, ich schaue sie einfach nur zu lange an und drücke ihr einen Schein in die Hand.
Ob ich es nicht passend hätte, fragt sie mich. Zur Zeit nicht, sage ich.