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Mit leiser Stimme setzt er an, als wüsste er genau, dass das, was er hier zu sagen hat, sowieso niemanden interessiert. Ein Hauch von Resignation, die Zeitungen in der Hand. Ausnahmsweise trage ich keine Kopfhörer, ich höre seine leise Stimme. Und möchte eigentlich keine Obdachlosenzeitung, ich brauche sie nicht, ich lese diese Blätter ja doch nie und kaufe sie deswegen nicht; es fühlte sich bisher irgendwie falsch an, etwas zu kaufen und es direkt im Anschluss wegzuwerfen, aber lesen wollte ich die bisher gekauften Exemplare trotzdem nie. Neben ihm steht ein alter Hund, müde und pummelig, und während der Mann die Zeitungen leise anpreist, hält der Hund geduldig seine eigene Leine im Maul.

Der Anblick rührt mich, heftig und plötzlich, und dann kaufe ich doch eine Zeitung, eigentlich kaufe ich dem müden Hund die Zeitung ab, der Mann gibt sie mir nur. Auf dem Titelblatt steht Der große Hartz IV Berater als Aufmacher und ich frage mich, wer diese Zeitungen eigentlich sonst kauft, wer ist hier Zielgruppe, ich bin es nicht, ich bin nur müde. Dann geht er ein Abteil weiter und der Hund tapert hinter ihm her, immernoch seine eigene Leine tragend. Wahrscheinlich hält sich fast jeder die meiste Zeit selbst an der Leine; aber bei niemandem außer diesem Hund ist das rührend. Beim Heimkommen lege ich die Zeitung auf irgendeinen Papierstapel, ungelesen.