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Manchmal erheiternd, manchmal verwirrend, manchmal rührend: die unerfolgreichen Google-Suchanfragen, mit denen mein Blog völlig aus dem Zusammenhang gerissen gefunden wird. Das stelle ich mir total enttäuschend vor, da klickt jemand diese Seite in den Suchergebnissen an und findet hier keine passende Antwort. Das soll nicht so bleiben, deswegen habe ich mich entschieden, die wichtigsten Suchanfragen manuell zu beantworten. Als eine Art lebendes Google Orakel. Happy Suchmaschinenoptimierung für unerfolgreich Gegoogeltes, digitale Lebenshilfe, steile Thesen, Antworten auf die großen Fragen.

1) Ich hätte gerne noch mehr Zeit

Die spannendere Frage ist: Wofür? Ein Tag hat 24 Stunden, davon schläft man im Idealfall 8, dann bleiben noch 16 übrig. An Wochentagen muss man als normaler Mensch noch meist irgendwie arbeiten, oder zur Schule, oder zur Uni, der Einfachheit halber sind das noch mal 8 Stunden. Dann bleiben noch etwa 8 Stunden, frühstücken, duschen, anziehen, Fahrtwege, Mittagessen, Abendessen, Freizeitgestaltung, soziale Kontakte pflegen, Zeit für sich selbst und die anderen. Dann noch das bisschen Haushalt, putzen, waschen, kochen. Man hat eigentlich nicht zu wenig Zeit, meistens teilt man sie nur nicht so ein, dass es sich gut anfühlt. Da hilft es, Prioritäten zu setzen: zum Beispiel weniger Überstunden machen und mehr Zeit mit Freunden verbringen. Oder diese ganzen Haushaltsthemen effizienter abhandeln. (Auf Real Simple gibt es eine ganze Rubrik “Home & Organizing”, die einem erklärt, wie man das alles optimiert.) Am Schlaf sparen funktioniert kurzzeitig, aber nie längerfristig, ansonsten: einfach mal überlegen, was wichtig ist, und was nicht. Und was man von den Dingen, die man selbst nicht wichtig findet, am einfachsten lassen kann.

2) Alte Menschen Verweigerung

Als alter Mensch Dinge zu verweigern ist absolut angebracht, auch als junger Mensch sollte man öfter mal Nein sagen. Das ist alles zu stromlinienförmig, zu einfach, zu glatt. Wir haben keine Zeit mehr, dagegen zu sein, und was immer wir uns ausdenken, um zu provozieren, schockiert eh niemanden mehr. Also: Mehr Verweigerung für alle.

3) Wie soll ein schöner Mann aussehen

Die gute Nachricht: bei diesem Thema wird nie Einigkeit herrschen, das ist alles durchaus komplex. Die einen mögen so androgyne Jüngelchen, die anderen eher so den Typ kantiger Waldschrat. Oder alles dazwischen. Was Attraktivität angeht, glaube ich fest an den Mere-Exposure Effekt: Menschen, die wir oft sehen, finden wir mit der Zeit immer schöner. (Das ist auch der Grund, warum sich so viele Menschen in der Arbeit verlieben: Weil sie niemanden sonst so oft und lange sehen wie die Kollegen.) Wenn es hier aber nicht bei der Theorie bleiben soll, subjektive Antworten auf die Frage “Wie soll ein schöner Mann aussehen?”: wie Medienhypeliebling Ryan Gosling; wie das einzige Männermodel, das man kennen sollte: Tony Ward; nerdig bebrillt wie Mayer Hawthorne, etwas drunter und drüber wie Jamie Lidell, und natürlich dringend wie Jon Hamm als Don Draper.

4) Nora Tschirner Füße riechen

Puh. Was Leute alles bei Google suchen. Aber jetzt sind wir mitten drin und es hilft ja nichts. Grundsätzlich lässt sich zum Thema Füße sagen: ein gesunder Fuß riecht an sich nicht schlecht; erst durch das Tragen der falschen Socken und Schuhe, die den Fuß nicht ausreichend belüften, entsteht der Schweißfuß. (Im Übrigen, an dieser Stelle: Die meistverspottete Kombination aus Socken und Sandalen ist für die Füße besser als hochgeschlossene Turnschuhe im Sommer.) Ehrlich gesagt weiß ich nicht, was Nora Tschirner für Schuhe trägt, aber ich finde, sie sieht aus wie jemand, der frisch riecht. Oder frisch riechen könnte. Falls es nicht um ihre Fußgesundheit, sondern um Fetischkram ging: ich glaube, es wäre insgesamt leichter, an den Füßen einer nicht prominenten Frau zu riechen. Vielleicht findet sich jemand bei Fetlife.

5) Gegenteil von schlimm

Nicht schlimm. Gut. Super. Toll. Formidabel. Hervorragend. Es gibt so viele Abstufungen von nicht so schlimm wie von schlimm, da muss man das Geschehen deutlicher einordnen. “Nicht schlimm” ist auch nicht automatisch “gut”. Im Althochdeutschen hatte schlimm übrigens eine andere Bedeutung, erst im Neuhochdeutschen erhielt das Wort seine negative Konnotation.

6) Französische Revolution Penner

Diese Suchanfrage beschäftigte mich eine Weile. Einmal Historiker, immer Historiker. Die französische Revolution war nie mein Steckenpferd als Mediävist, aber es gibt zwei Erklärungsmöglichkeiten: auf der Seite Pennergame.de findet man die relativ frei erfunden klingende Geschichte über die ureuropäische Volksgruppe der Peniten, der Einfachkeit halber auch Penner genannt, die angeblich auch bei der Französischen Revolution eine Rolle spielten. Etwas plausibler als Erklärung: Es gibt einen Historiker namens Horst Penner, der wie jeder Historiker, der etwas auf sich hält, etwas zur Französischen Revolution publizierte. Falls doch wirklich Penner im Sinne von Obdachloser gemeint ist, bietet sich eine vertiefendere Recherche unter dem französischen Begriff Clochard an.

7) Schnittblumen Schnitzel

Das Schnitzel an sich ist total unprätentiös, da passen dementsprechend keine Schickimicki-Blumen daneben. Rosen passen nicht, Lilien auch nicht, Orchideen erst recht nicht. Gut passen Ranunkeln, weil die immer super sind. Oder ein vom Wegesrand selbst gepflückter Wildblumenstrauß.