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Das Schönste an dieser Jahreszeit ist, dass man Dinge nach Farben sortiert essen kann, nur rote Dinge zum Beispiel, und dass das besser ist als im Winter, wo es nur so viele orange Dinge gibt. Oder anders gut. Es ist diese Phase im Jahr, in der Eiswürfel endliche ihre Daseinsberechtigung erfüllen. Die Hitze scheint den Leuten direkt ins Hirn zu scheinen, aber vielleicht ist das hier auch immer so, wer weiß das schon. Der laut rufende Fahrkartenkontrolleur, der sich dann doch als der “freundliche Motzverkäufer” mit unangenehm leiernder Stimme herausstellt, diese Rede ist sein Alles, das Einzige,  das ihn noch mit der sogenannten normalen Außenwelt verbindet. Wir hören verschämt zu und starren aus den Fenstern. Wir sind hier, wir bekommen das mit, aber am liebsten hätten wir, dass uns das nichts angeht, nicht so laut, nicht so nah. Der Mann, der mit seinem Rennrad direkt in die Bank reinfährt; es fällt ihm schwer, die Türen zu öffnen, es sieht unangenehm aus, wie er da mit dem Rad vor dem Automaten steht und auf sein Geld wartet, und wie umständlich er wieder rausfährt; aber es ist eins dieser teuren, schmalen Räder ohne Ständer, und wo soll er es auch sonst hin stellen. Dieses Rad ist nicht nur ein Rad, es ist vielmehr auch eine Haltung. Der Jogger neben der Ampel, hellblondes dünnes Haar und ein knallrotes Gesicht, es hat etwa 30 Grad im Schatten, aber er trägt trotzdem eine lange Trainingshose und eine lange Laufjacke, es sieht aus wie ein im Winter gefassten Vorsatz, dessen kleiderliche Überreste er nun im Hochsommer aufträgt. Nun muss er das einlösen, obwohl er kurz vor einem Hitzeschlag an dieser sechsspurigen Straße entlangläuft, trippelnd, dann langsamer, dann wieder schneller, immer trippelnd. Es ist diese chronische Wurschtigkeitsmentalität und diese gelassen vor sich hergetragene Plemplemness, die das Ganze so charmant macht. Das muss so sein hier.

Wir kennen unsere Distanz noch nicht, die Stadt und ich. Ständig steht jemand in meinem Tanzbereich, manchmal fährt jemand mit dem Fahrrad oder dem Kinderwagen voll rein bis zur Kollision. Wir tasten uns ab, die Stadt und ich. In manchen dieser Gegenden finde ich mich ohne Stadtplan zurecht, immer öfter erkenne ich die Straßen wieder. Hier war ich schon mal. Von hier aus finde ich zurück. Trotzdem stellt sich im Bauch kein Hiergefühl ein, zu der Stadt kein Wirgefühl. Wir suchen unsere Gemeinsamkeiten noch, die Stadt und ich.

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Da ist er nun, der neue Freitag, das Meinungsmedium in Print und Online. Pünktlich zum Start polarisiert er kräftig, und während Fräulein Tessa ihn als Pinupgirl zeigt, sagt NiceBastard - “Auf den ersten Blick wirkt der „Freitag“ wie eine Frau, der ich erst einmal einen guten Haarschnitt und neue Klamotten spendieren würde.” Ich finde den Freitag ziemlich sexy in seinem blau-brombeerfarbenen Outfit, und wie man sieht – ich stehe auf Frank-Walter Steinmeier. Das muss aber unter uns bleiben, ja.

Aber vor allem auf www.freitag.de beginnt der Trubel, die neuen User stürmen da rein wie 13-jährige Mädchen beim Tokio-Hotel-Konzert. Nur ist das auf freitag.de ein bißchen zivilisierter – und noch ohne Bill Kaulitz. Dafür aber mit Sascha Lobo, und immerhin ist der ja so was wie ein – Vorzeigeinternetdingsbums. Oder wird dafür gehalten. In jedem Fall: registrieren & schreiben & mitdiskutieren, die Damen und Herren. Am besten jetzt gleich.

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Heute entdeckt: Hundertmark hat eine Münchner Zweigstelle eröffnet. Nicht irgendwo, sondern in meinem Haus. Hier in der Gegend sagen sich Fuchs und Hase übrigens noch persönlich Gute Nacht. „A.“ steht bestimmt für Agenten. Oder für Astronauten. Sehr unauffällig jedenfalls, Jungs.

Es gibt so ein paar Phänomene, die sich durch den Alltag eines Werktätigen ziehen, man freut sich morgens manchmal auf den Feierabend, verabscheut manche Leute, die einem mittags den Schlachtruf „Mahlzeit!“ auf dem Weg in die Kantine entgegen schleudern, und zählt in zähen Meetings die Minuten, die einfach nicht vorbei gehen wollen. Darüber hinaus ist es ausgemachte Sache, dass man sich montags schon ziemlich auf den Freitag freut. Der Freitag, das ist so was wie der Steg zu einer Insel, wo man nur kurz Urlaub machen kann, dafür aber mit weißem Sandstrand und allerlei Verheißungen. Vielleicht ist er auch so was wie der sympathischste Tag, weil von ihm aus gesehen das Wochenende immer noch am längsten dauert.

Sich heute auf den Freitag zu freuen, das ist also eigentlich das Normalste der Welt, man ist mehr oder weniger prädestiniert dazu. Man kann sich aber auch wochen- und monatelang auf den Freitag freuen. Bei Fräulein Tessa ist auf knicken mehr darüber zu lesen, über den neuen Freitag, der bald kommt. Vor ein paar Monaten hörte ich zum ersten Mal überhaupt von der Zeitung, und als über ein großes Internet-Projekt gesprochen wurde, klickte ich auf die aktuelle Seite und fragte mich aufrichtig, ob das ein schlechter Scherz sein soll, den nur ich nicht verstanden habe. Vor zwei Wochen saßen dann mal alle Netzwerker an einem Tisch in Berlin, um die Sache endlich mal ein bißchen genauer anzusehen.

Dabei sah man erste Aufnahmen des Babys, wie bei einem Ultraschall konnte man noch nicht alles erkennen, aber dennoch eine prächtige Entwicklung feststellen. In wenigen Tagen kommt es per Kaiserschnitt zur Welt, im kleineren Kreis werden wir um den Brutkasten herum stehen und die Hände durch diese Schutzhandschuhe stecken, um den kleinen Körper zu berühren. In der Zeit werden die Kinderkrankheiten kuriert, vielleicht muss er noch ein bißchen künstlich beatmet werden. Und sehr bald kommt der Tag, an dem das Baby der Öffentlichkeit präsentiert wird, ähnlich wie im Zoo, wenn die nicht gefressenen Eisbärenbabys ihren ersten offiziellen Auftritt im Gehege haben. Das wird für viele Leute ein aufregender Moment, nicht nur für die Damen und Herren am Hegelplatz, sondern auch für die Leute auf der anderen Seite. Vielleicht sollte man noch Care-Pakete mit wolligem Inhalt an neon.de, jetzt.de, sueddeutsche.de und Co. schicken, damit die sich warm anziehen können.

Eigentlich spreche ich an dieser Stelle nicht über meine Arbeit – was ich für den Freitag genau mache, habe ich bisher sowieso niemandem richtig erklären können, in der Zwischenzeit war es wohl auch noch nicht greifbar, und „so ein Ding im Internet“, das hat die meisten Fragesteller zufrieden gestellt. Vielleicht ist es so eine Art Babysitter-Geschichte, bei der einige junge Leute sich um Dinge kümmern, die von den Eltern nicht so recht erledigt werden können. In Sachen politischer Bildung wird es dem Kleinen an nichts mangeln, aber was es heißt, heute jung zu sein und meinetwegen auch 2.0 und dieser ganze Firlefanz, da besteht noch Nachholbedarf. Ich werde ihm dann eines Tages bei seinem ersten Diskobesuch ein Bier ausgeben und halb belustigt, halb stolz seinen ersten Tanzversuchen beiwohnen. Bis dahin freue ich mich einfach noch ein bißchen auf den Freitag, auch mittwochs oder sonntags.

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Hier zu sein ist ein glücklicher Zufall, beim letzten Besuch habe ich das Konzert irgendwie knapp verpasst. Die Vorband von Norman Palm im Magnet heißt Hundreds – und ist die erste Vorband seit langem, deren Musik mir richtig gut gefällt. Vielleicht ist das die sentimentale Vorfreude, aber die haben ein paar schöne Songs (wenn auch nicht alle auf ihrer Myspace-Seite zu finden sind).

Das Highlight an der Perfomance von Norman Palm ist dann das im Hintergrund passend zu den Songs durchgeblätterte Buch, das er selbst gestaltet hat. Noch nie habe ich eine Person so sehr vermisst wie bei diesem Konzert, ich würde am liebsten jeden einzelnen Song in der Live-Version konservieren. Das Publikum ist insgesamt ziemlich steif, keiner singt so richtig mit oder tanzt ordentlich, alle stehen nur rum und starren ihn an. Die ersten zwei Reihen sind reine Groupies, Mädchen wollen nur Spaß haben – das singt er zwar diesmal nicht live, aber wir kennen das ja. Bezaubernder junger Herr im karierten Hemd, die Posaune von Boys don’t cry imitiert er erstaunlich echt, sein Begleitmusiker zaubert mit einem winzigen DDR-Kinderpiano rum. Nach dem Konzert möchte ich mein Album für meine Vermissten-Meldung signieren lassen, aber keiner von uns beiden hat einen Stift. Er sagt, er bringt die Gitarre weg und würde danach wieder kommen. Das hat er wohl vergessen, und nach einer langen Weile lande ich doch auf der Tanzfläche.

Deswegen bin ich hier, irgendwie sollte ich mein Leben nicht mit Warten verschwenden, und auch nicht mit Vermissen. Die Indie-Disko, heute Karrera Klub, hat anscheinend in Berlin ein aufrichtiges Nachwuchsproblem, wo sind die Leute? Es gibt zwei Tanzflächen, die sich gegenseitig kannibalisieren, der eine DJ spielt dem anderen die Leute rüber. Was auch definitiv fehlt, ist eine richtige Indie-Jugend, bei uns sind das Jungs, die wie Oasis oder vielleicht der Sänger von den Kooks aussehen, und Mädchen mit Seitenscheiteln und gepunkteten Shirts. Indie ist in Berlin anscheinend ziemlich gestorben. Das Heimweh ist auf einmal richtig groß, am Ende ist genau der richtige Punkt erreicht, der die lange Fahrt wie einen Segen erscheinen lässt. Aber Jungs weinen nicht, und Mädchen wollen nur Spaß haben – das sollte man sich auf die Innenseite der Stirn schreiben lassen, mit einem Laserschwert.

Das Holy Shit Shopping findet dieses Wochenende in Berlin im alten Postbahnhof statt. Der große Café-Bereich mit Riesen-Kronleuchter, hier kann man sitzen nach all der Reizüberflutung, um Kaffee, andere Getränke sowie Nahrung zu sich nehmen:

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Ich glaub, ich bastel bald mal wieder neue Pinnwände. Diese hier sind wahnsinnig schön:

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Der Stand von Frau Liebe, deren Blog ich manchmal heimlich lese. Ich hab leider nicht Hallo gesagt, weil ich nicht sicher war, ob es komisch wäre. Aber jetzt so: HALLO.

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Vor diesem Stand wartete ich ewig auf eine Eingebung. Ich konnte mich sehr schwer für ein Bild entscheiden. Aber hier das erste Happy-Schnitzel-Gewinnspiel: Wer errät, welches Bild ich von ALLEN hier zu sehenden gekauft habe, erhält ein Überraschungspaket. Falls mehrere Antworten richtig sind, wird der Gewinner ausgelost, und die anderen bekommen wenigstens eine kleine Trostpost. Teilnehmen kann jeder außer Carolina, der hab ich das Bild gezeigt. Und jeder darf nur einmal raten – ich bin schon mal sehr gespannt. Da man anscheinend gerade nicht die Bilder durch Klicken vergrößern kann, hier nochmal in Großansicht für alle Ratefüchse.

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Morgen noch von 12-22 Uhr in Berlin, nächste Woche ist das Holy Shit Shopping in Stuttgart und in Köln zu Besuch. In München gibt es morgen eine ähnliche Veranstaltung, wenn auch etwas kleiner, im Kafe Kult. Unter anderem mit schönen Dingen von Fräulein Steffi mit ihrem Label krambeutel.

Die HUNDERTMARK-Jungs: Christian, Philipp, Franz (der Raum mit den verschiedenen Tapeten ist tatsächlich ein Büro).

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Hipster, wohin das Auge blickt:

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Der Stargast des Abends: The Funky Blue Pony.

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Ein wahnsinniger Abend mit den Jungs bei der VICE-Party. Total knallvoll mit Elektrofreunden & schönen Menschen, die meisten in Röhrenjeans. Mit einem Münchner Heimatabend nicht zu vergleichen, aber vielleicht gehe ich da zu selten in Elektro-Clubs. Sehr amüsant auch die verbrachte Zeit im Büro ein Stockwerk über der Party, sozusagen die Nebenparty. Danke, Jungs – für einen grandiosen Abend. IchHUNDERTMARK. EDIT: Natürlich auch das einzige Fräulein, Lydi Hundertmark, die die restlichen Bilder noch hier hochgeladen hat.

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Die schönste Wohnung der Welt ist nur geliehen, und wenn ich nicht aus verschiedenen Gründen in wenigen Tagen wieder heim fahren müsste, würde ich sofort bleiben und mich auf dem Sofa einrollen. Berlin gefällt wahnsinnig gut, von hier drinnen aus.

Von weitem gelesen in der Bahn und grad nochmal nachgeschlagen, ein geiler Artikel: Wie kommt so ein Kerl an solche Frauen? Da haben sie übrigens das hässlichste Bild von ihm genommen, das sie finden konnten. Ansonsten fragt man sich das aber ja bei vielen Leuten.

Die Revolution sind wir. Oder vielleicht auch ihr. Beuys in Berlin und Kandinsky in München. Ich werde hingehen, zu Beuys jedenfalls. Kandinsky konnte ich schon als Kind nicht leiden, wahrscheinlich ist der graphische Plakat-Entwurf das Lässigste an der ganzen Ausstellung. Über Kunst lässt sich nicht streiten, entweder sie gefällt dir oder nicht. Dazwischen gibt es nichts, außer: keine Ahnung haben. Dann kann es einem entweder egal sein. Oder man kauft sich ein paar Werke, weil man das für eine gute Investition hält. Davon sind wir zum Glück weit entfernt. Dafür öfter und näher am Gedanken: Das hätte ich so ähnlich selbst auch hingekriegt. Trotzdem malt sich niemand ein eigenes Bild in einer einzigen Farbe, mit ein paar Farbspritzern oder Linien, und tut so, als wäre das was ganz Großartiges. Wahrscheinlich malen solche Künstler grundsätzlich nicht für sich selbst, sondern für die Wohnzimmer fremder Leute. Vielleicht ist das auch gut so. Vielleicht ist es das, wofür Kunst eigentlich da ist. Für Wohnzimmerwände, und nicht für Museen, in denen die Leute dann nicht wissen, wie sie vor den Bildern richtig stehen sollen. Aber falls du willst, male ich dir gerne ein Bild für deine Wand, kubistisch, impressionistisch, expressionistisch, was auch immer du willst. So gut wie der kann ich das nämlich schon lange.