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Kurzfristig noch Karten für die Eat&Style Messe in München bekommen und dann die Sache mal aus der Nähe angeschaut. Irgendwie hält dieser Hype um die Fernsehköche in unserem Land immer noch an. Menschen pilgern an einen Stand und stellen sich in lange Schlangen, um ein Autogramm von Johann Lafer, Stefan Marquardt oder Martin Baudrexel zu bekommen, als wären es die größten Rockstars aller Zeiten. Was die Leute mit diesen Autogrammen letztlich machen, ist mir bis heute unerklärlich. Rahmt man sich das ein? Legt es in ein Album und zeigt es seinen Besuchern bei der Tasse Kaffee nach dem Essen? Kochbücher signieren, das wäre ja noch was, aber einfach so ein Stück Papier, ich weiß ja nicht.

Die Essen&Trinken-Redaktion hatte eine Live-Kochshow, in der ein Reh zubereitet wurde, mit Semmelknödel und Pastinaken. Der Himbeertoni und ich waren überrascht, dass vor allem die Sache mit dem Reh so einfach war. Nur die Sache mit der Sauce, die war “schon mal vorbereitet“ worden. Da liegt dann immer der Hund begraben. Irgendwie merkt man auch, dass das der letzte Messetag ist, dass dieses Essen schon zum tausendsten Mal von diesen Leuten gekocht wird, sie sind müde jetzt. Aber dann noch mal alles raus an Eloquenz, ein Witz, lachen, weitermachen. Das Ergebnis kommt auf einem kleinen Probierteller daher und ist einfach nur zum Niederknien.

Living at Home hatte so ein paar Tischdekorationen zusammengestellt, der eine Tisch folkloristisch mit Matroschka-Puppen und tausend Farben, der andere puristisch mit Federn und Wolle und Vogel-Tapetenstickern. Am meisten mochte ich die Holztische und diese Lampenschirme, die aussehen wie zerbrechliche Bälle. Gut gefallen hat auch der Angler-Tisch, grau gehalten, mit Steinen und einem leicht unheimlichen Angler als Wandsticker. Dazu die Frage, wer wirklich seinen Tisch so aufwändig dekoriert, außer beim Perfekten Dinner. Wahrscheinlich auch eher so ein Fernsehmythos.

Spontan habe ich mich in ein Messer verliebt. Ein rosa Mädchenmesser von KAI Pure Komachi. Knalltürkis gab es nicht, deswegen nun eben rosa. Mit einer federleichten japanischen Klinge, und Tierköpfen im Griff eingearbeitet. Ich glaube, das ist ein einschneidendes Erlebnis, im wahrsten Sinne des Wortes, wenn man sich das erste eigene scharfe Messer zulegt. Dabei auch den ehemaligen Messerfreund vergessend, alle Regeln, alle Unentspanntheiten. Damit ist sogar aus Versehen in den Finger schneiden irgendwie fancy.

Dieses Poster bekam ich vor knapp drei Monaten aus Wien mitgebracht. Neue Wohnung, neues Glück, neuer Anfang. Und in der Rückschau sollte dann alles nicht mehr so schlimm aussehen. Grade fühlt es sich so an, dass ich froh bin, dass manche Dinge vorbei sind. Und noch mehr werde ich mich freuen, wenn andere Dinge auch endlich durch sind. Heute habe ich viel innere Stärke darauf verschwendet, für meine alte Wohnung noch eine Vollmacht über die Auflösung des Mietvertrags auszustellen, in zwei verschiedenen Briefen. Dazu muss man sagen, dass wir immer noch so wahnsinnig neutral tun. Wie zivilisierte Menschen das eben machen würden. Irgendwie gab es seit einem halben Jahr keine klaren Worte. In mir brodelt ein Vulkan. Ein Konglomerat aus Wut, Schmerz, Enttäuschung und Verachtung. Und in meinem Kopf sind viele harte und auch ungerechte Worte und Sätze. Ich sage davon keinen einzigen. Weil es nichts bringt. Und weil ich auch viel zu stolz bin. Also bin ich nur so eiskalt, dass es selbst im Hochsommer zum Betreiben der Olympia-Eissporthalle reichen würde. Daher warte ich darauf, dass das Thema abgefrühstückt ist. Und in der Zwischenzeit lebe ich ganz nach meinem neuen Lebensmotto (ursprünglich eine Nachricht von King George VI an seine Landsleute im zweiten Weltkrieg )

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