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na_toll

“Machen Sie mal was jugendlich-frisches, so dass die Zielgruppe sich angesprochen fühlt.” So oder so ähnlich muss das Agenturbriefing für diese Postkartenkampagne der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung gelautet haben. Das Gegenteil von gut ist gut gemeint, das trifft hier auch mal wieder des Pudels Kernproblem. Weil das Budget recht knapp war, wurde das Faschingsequipment der einen Sekretärin verwendet, die Luftschlangen waren noch aus dem letzten Jahr übrig, und die Azubine und die Grafikpraktikanten wurden gezwungen, sich in dieser erniedrigen Konstellation ablichten zu lassen. Eigentlich wäre das ja die Mühe wert gewesen, Alkoholismus unter Jugendlichen ist wirklich ein ernstzunehmendes Thema – aber diese Karten führen zu einem schallenden Lacher, und wenn es gut geht, benutzt man sie später noch als Bierdeckel, damit der Esstisch keine Bierflaschenränder abkriegt und die Mutti nicht schimpft später. “Merke: Zu viel Alkohol bedeutet nix los in der Hose.” Auf diesen Schocker bräucht ich jetzt erstmal nen Doppelten.

Im Archiv hab ich noch ein Werbekongress-Bild gefunden, wo man uns bei der Arbeit sieht. Das Bild ist vom ersten Workshop-Tag mit Publicis, und man sieht grad die Text-Fraktion die Ideen des ersten Tages in die Vorlage eintüten. Total gut finde ich dieses kreative Chaos auf dem Tisch.

Nächste Woche stehen ja wieder zwei Tage Berlin an, und nach dem einen Termin habe ich Zeit. Viel Zeit. Meine Gastgeberin arbeitet viel, und ich will gerne streunen. Und Leute beobachten. Meine Mutter meinte ganz begeistert: Du musst unbedingt in die Museen auf der Museumsinsel! Ich hab da eine Reportage gesehen, das ist ganz toll. Jetzt muss man sagen: ich bin mit einem halben Bein Historiker. Und ich hasse Museen meistens. An meinem halb freien Wochenende will ich mir nichts anschauen, nur weil man das gesehen haben soll. Dann meinte sie noch: Aber da ist doch auch bestimmt ein Museums-Café! Da kannst du dich hinsetzen und lernst bestimmt ein paar nette Leute kennen. Keine Ahnung wie sie sich das vorstellt – dass in Cafés nur „nette“ Leute sitzen, Bildungsbürger, die sich mit Kunst auskennen und darauf warten, dass ich sie anspreche. „Nette“ Leute sind doch das Hinterletzte, mal so unter uns gesagt. Aber wenn jemand einen guten Hinweis für einen Ort in Berlin hat, an dem man einfach da sitzen und viel sehen kann – bitte her damit.

Kunst, die mir gefällt, besteht meist aus Fotos. Oder Street-Art, und da vor allem Stencil-Sachen, Tapeten, und geklebte Kacheln. Wenn ich zeichnen könnte und eine einzige gerade Linie mit dem Cutter schneiden, würde ich unbedingt selbst Stencils machen wollen. So bleibt es beim Konjunktiv.

Der Riesen-Astronaut ist doch einfach nur toll. (Alle Bilder von Stencil Archive , da sind mehrere tausend Bilder archiviert)

Hören: Bon Iver – Skinny Love – auf repeat und repeat und repeat.

Hier sind noch zwei Anzeigen aus der Bionade-Kampagne. Man, die haben grad ihr Media-Budget echt rausgeballert. Wie auch immer: die eine gefällt, die andere nicht so.

Die zweite find ich besser. Und das aus verschiedenen Gründen: mit diesem Wiedergeburts-Kram kann ich nichts anfangen. Die zweite finde ich auch einfach wahr, denn das ist, was ich an Limonadengetränken nicht leiden kann: der pappig süße Geschmack. Vielleicht ist das eben auch das Problem: meine mangelnde Limonaden-Affinität. Keine Ahnung, wann ich das letzte Mal wirklich Limonade (oder einen Limonaden-Ersatz) irgendwo gekauft habe. Ansonsten steht die Frage im Raum: für was für ein Image wirbt Bionade denn nun? In jedem Fall mag ich die Schrift, die irgendwie so gewollt kreuz und quer aussieht.

Die Arbeit zu den Reichsreformschriften aus dem 15. Jahrhundert ist fertig geworden. Der helle Wahnsinn. Morgen wird abgegeben, und dann wochenlang auf Feedback warten. Das ist ja, was ich von allen Dingen auf der Welt am meisten hasse: warten.

Pünktlich zur Fertigstellung und zum herannahenden Herbst hat mich ein altes Syndrom kurzzeitig befallen. Symptome: hohes Fieber und der akute Wunsch, Obst zu verarbeiten. Letztes Jahr war es wirklich schlimm. 18 Kilo Äpfel hab ich da aus dem Garten geerntet, das Kerngehäuse entfernt, kleingeschnitten, stundenlang entsaftet und dann zu 18 Gläsern Apfelgelee eingekocht. Um dann zu merken, dass ich selbst nie Apfelgelee esse, höchstens einmal im Jahr. Und ich auch nicht der Typ bin, anderen Leuten ständig Gläser mit „Eingemachtem“ aufs Auge zu drücken. Dieses Jahr hat die Fallobst-Therapie jedenfalls schon Fortschritte gemacht, ich musste nicht mal zwanghaft ernten oder einkochen. Ein Glück.