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„Taucht irgendwo eine halbwegs geeignete Kandidatin auf“, spottet ein promovierter Physiker, der an der Klippe zum gehobenen Management strandete, „hat sie den Job.“ Er sieht ja die Personalien im Intranet: Las man da früher nur Männernamen, heißen die Glücklichen jetzt Simone, Ute oder Petra.
Männer hören die Zahlen, lesen die Erfolgsmeldungen, sehen ihre neuen Chefinnen, und der Frust wächst. Vorstände hören in Zielgesprächen mit jungen Männern immer häufiger den Heide-Simonis-Satz: „Und was wird aus mir?“ Gratifikationskrise nennen Mediziner das. „Resignation, Angst und Zynismus der Männer am Arbeitsplatz werden ein Riesenthema“, prophezeit Anette Wahl-Wachendorf, Chefin des Verbands der Betriebs- und Werksärzte. Gerade untersucht ihr Verband in einer Umfrage die Folge der Frauenquoten auf die Seele der Männer.

Bei der Lektüre von Artikeln wie “Lauter verlorene Männer” von Bettina Weiguny frage ich mich tatsächlich voller Sorge, wie weit man mit den Augen rollen kann, bis sie dann aus Protest einfach da drinnen bleiben. Und nie mehr raus wollen. Das ist natürlich traumatisch, dass Führungskräfte auf einmal Simone oder Petra heißen. Es sind in den großen Konzernen noch nicht mal 30 Prozent der selbstauferlegten Frauenquote erreicht, und schon hat das Auswirkungen auf die Seele der Männer? What? Ich weiß nicht, was ich schlimmer finde – dass solche Artikel überhaupt geschrieben werden – oder dass sie dann meist von Frauen stammen. Männer bilden Karrierenetzwerke und helfen sich gegenseitig mit irgendwelchen Klüngeleien, aber die Frau bleibt der Frau eine Wölfin. (Alles, was es sonst zu diesem Text zu sagen gibt, steht bei Journelle.)

(Foto: bosch)

Eine Mitteilung in eigener Sache: Ich mache mich im neuen Jahr selbstständig – ab Januar 2012 kann man mich als freien Digital Strategy Consultant buchen. Nach dem Ausfüllen von gefühlt hundert Formularen, dem Schreiben eines Businessplans, der Einnahmenüberschussrechnung für die nächsten drei Jahre, der Planung der ersten Projekte und des Home Offices sowie der Beförderung des Büro-Tiers zum neuen internen Head of Catvertising bin ich bereit für die Selbstständigkeit.

Zu meinen Leistungen gehören die strategische Beratung und die Entwicklung von Kreativkonzepten für alle digitalen Maßnahmen und Kampagnen, sowie die Analyse und Optimierung bestehender Konzepte. Ich berate Agenturen und Unternehmen im Bereich Digitale Strategie und Konzeption bei Projekten und Pitchs deutschlandweit. Alle Beratungsleistungen werden defaultmäßig in Klartext ausgeliefert; auf Wunsch ist natürlich ein Delivery High Value Upgrade auf Digital Beratersprech verfügbar. Kennenlernen, Kontakt aufnehmen, Hallo sagen und natürlich buchen: per Mail  oder ganz retro über Xing. Hurra!


Der vermutlich längste erste Tag aller Zeiten bei TLGG. Danke für den warmherzigen Empfang.

Man muss nur einen Moment nicht aufpassen, schon steht ein kleines Okapi mit Kungfustirnband auf dem Schreibtischrasen.

Es gibt so ein paar Phänomene, die sich durch den Alltag eines Werktätigen ziehen, man freut sich morgens manchmal auf den Feierabend, verabscheut manche Leute, die einem mittags den Schlachtruf „Mahlzeit!“ auf dem Weg in die Kantine entgegen schleudern, und zählt in zähen Meetings die Minuten, die einfach nicht vorbei gehen wollen. Darüber hinaus ist es ausgemachte Sache, dass man sich montags schon ziemlich auf den Freitag freut. Der Freitag, das ist so was wie der Steg zu einer Insel, wo man nur kurz Urlaub machen kann, dafür aber mit weißem Sandstrand und allerlei Verheißungen. Vielleicht ist er auch so was wie der sympathischste Tag, weil von ihm aus gesehen das Wochenende immer noch am längsten dauert.

Sich heute auf den Freitag zu freuen, das ist also eigentlich das Normalste der Welt, man ist mehr oder weniger prädestiniert dazu. Man kann sich aber auch wochen- und monatelang auf den Freitag freuen. Bei Fräulein Tessa ist auf knicken mehr darüber zu lesen, über den neuen Freitag, der bald kommt. Vor ein paar Monaten hörte ich zum ersten Mal überhaupt von der Zeitung, und als über ein großes Internet-Projekt gesprochen wurde, klickte ich auf die aktuelle Seite und fragte mich aufrichtig, ob das ein schlechter Scherz sein soll, den nur ich nicht verstanden habe. Vor zwei Wochen saßen dann mal alle Netzwerker an einem Tisch in Berlin, um die Sache endlich mal ein bißchen genauer anzusehen.

Dabei sah man erste Aufnahmen des Babys, wie bei einem Ultraschall konnte man noch nicht alles erkennen, aber dennoch eine prächtige Entwicklung feststellen. In wenigen Tagen kommt es per Kaiserschnitt zur Welt, im kleineren Kreis werden wir um den Brutkasten herum stehen und die Hände durch diese Schutzhandschuhe stecken, um den kleinen Körper zu berühren. In der Zeit werden die Kinderkrankheiten kuriert, vielleicht muss er noch ein bißchen künstlich beatmet werden. Und sehr bald kommt der Tag, an dem das Baby der Öffentlichkeit präsentiert wird, ähnlich wie im Zoo, wenn die nicht gefressenen Eisbärenbabys ihren ersten offiziellen Auftritt im Gehege haben. Das wird für viele Leute ein aufregender Moment, nicht nur für die Damen und Herren am Hegelplatz, sondern auch für die Leute auf der anderen Seite. Vielleicht sollte man noch Care-Pakete mit wolligem Inhalt an neon.de, jetzt.de, sueddeutsche.de und Co. schicken, damit die sich warm anziehen können.

Eigentlich spreche ich an dieser Stelle nicht über meine Arbeit – was ich für den Freitag genau mache, habe ich bisher sowieso niemandem richtig erklären können, in der Zwischenzeit war es wohl auch noch nicht greifbar, und „so ein Ding im Internet“, das hat die meisten Fragesteller zufrieden gestellt. Vielleicht ist es so eine Art Babysitter-Geschichte, bei der einige junge Leute sich um Dinge kümmern, die von den Eltern nicht so recht erledigt werden können. In Sachen politischer Bildung wird es dem Kleinen an nichts mangeln, aber was es heißt, heute jung zu sein und meinetwegen auch 2.0 und dieser ganze Firlefanz, da besteht noch Nachholbedarf. Ich werde ihm dann eines Tages bei seinem ersten Diskobesuch ein Bier ausgeben und halb belustigt, halb stolz seinen ersten Tanzversuchen beiwohnen. Bis dahin freue ich mich einfach noch ein bißchen auf den Freitag, auch mittwochs oder sonntags.

Philosophie und Fieber gehören zusammen, genau wie Milch und Cornflakes. Das ist absolut untrennbar im Hause Schnitzel. Es kann also gar kein übergeordnetes Ziel sein, verstanden zu werden. Wichtiger ist auf jeden Fall Verstehen. Außerdem gibt es Dinge, die einem wollenswert erscheinen, bei näherer Betrachtung aber gar nichts sind, was man wirklich will. Und man kann Heimweh haben, obwohl man zu Hause ist. Oder daheim, wie man hier auch sagt. Dahoam, wie es im Dialekt wohl hieße.

Nach all den Irrungen und Wirrungen in Sachen Pläne für das spätere Leben gibt es einen neuen Lichtschweif am Horizont. Am einen Tag will ich bekanntlich Erfinder für Spielzeug werden, am nächsten Tag Cool Hunter, dann wieder Astronaut. Nach diesem Video (danke an La Lila für den Tweet) will ich nun blau-uniformierter Menschen-Stopfer in einem japanischen U-Bahnhof werden. Grandios, diese Mischung aus dringender Notwendigkeit und Vehemenz bei diesem Vorgang. Das erinnert ein wenig an den Moment, in dem man merkt, dass der Koffer nie im Leben zu geht, wenn man sich nicht draufsetzt. Da fragt man sich ja auch nicht, wie die Shirts und Hosen da drin sich gerade fühlen.