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Ein paar Tage mit unzureichenden Internetverbindungen verbracht, und schon muss man ein paar Tage Internetgeschehen nacharbeiten. Matt tanzt wieder um die Welt, und während das Leistungsschutzrecht diskutiert wird, hat unser Verein D64 ein WordPress-Plugin entwickelt, das die Folgen des LSR visualisiert und eine Landingpage zwischenschaltet. In der Zwischenzeit bleibt ja immernoch die Idee im Hinterkopf, Bücher und Zeitungsartikel nicht mehr direkt zu besprechen, sondern die Handlung als Puppentheater nachzuspielen. Oder, analog zu Where the hell is Matt? könnten wir das in Zukunft auch als Tanzeinlage performen; dabei mit etwas Leichterem wie dem Lustigen Taschenbuch anfangen und später zu Krieg und Frieden vorarbeiten.

Wir müssen mal reden. Über Politik. Eigentlich hatte ich gehofft, dass sich dieses Gespräch vermeiden ließe, und eigentlich hätte ich es gerne bei diesem Tweet belassen zum Thema Sparpaket.

Abgesehen davon, dass Meedia, Spiegel und Mainpost das zitierten und es so wirkte, als hätte ich das Internet angestachelt, um über die arme Ministerin herzufallen, die einfach nur offen zu ihrem Sparpaket stehen wollte und das auch gleich twitterte, dichtete die Mainpost mir noch einen Vergleich der Ministerin mit Marie Antoinette an, von wegen, die Armen sollten doch Kuchen essen. Eigentlich bin ich Historiker, und vermutlich ist es eine der ersten Sachen, die man zur französischen Revolution hört, dass Marie Antoinette das nie gesagt hat, sondern es sich hierbei um eines der hartnäckigsten Falschzitate aller Zeiten handelt. (Intellektuellengelaber OFF).

Mehr als diese unsachliche Berichterstattung, die uns Twitterer als einen Haufen Pöbler im Internet dastehen lässt, die nur zu Shitstorms, aber nicht zu einer sachlichen Diskussion fähig sind, stört mich die Tatsache, dass keiner der Artikel sich mit den Äußerungen der Ministerin auseinandersetzt, und ihre Aussagen direkt hinterfragt.

Besonders erkenntnisreich finde ich hier die Zusammenstellung der verschiedenen Aussagen. Mir wird nicht klar, wie man einerseits Schirmherrin der Tafeln sein kann, und im nächsten Tweet erklären, warum bald immer mehr Familien dort hingehen müssen. Denn die Fragestellung ist völlig falsch. Dass Menschen in Deutschland Vollzeit arbeiten und von ihrem Gehalt nicht leben können, ist tatsächlich ungerecht – gegenüber denjenigen, die für so wenig Geld arbeiten. Ansonsten ist das ein Vergleich von Äpfeln mit Birnen. Sozialschwachen Familien das Elterngeld komplett zu streichen bedeutet vor allem eine Benachteiligung ihrer Kinder. Kinderarmut ist ein immer ernster werdendes Thema, das fängt bei gesunder Ernährung an und hört beim Thema Bildung auf. In Deutschland klappt die Schere zwischen normalen und sozial schwachen Kindern immer weiter auf, es wächst eine chancenlose Generation Menschen zweiter Klasse heran; der internationale Vergleich in der PISA-Studie bestätigt uns immer wieder, dass bei uns Bildung sehr stark an die soziale Herkunft gebunden ist. Ist das gerecht gegenüber den Kindern, die in den falschen Familien geboren werden? Wir sollten endlich anfangen, die richtigen Fragen zu stellen.

Darüber hinaus gibt es neben der Ungleichheit einen Aspekt, der den Sachverhalt doch wieder etwas näher an das Thema französische Revolution rückt – gewaltsamer Widerstand. Der Vorfall wurde ein bisschen unter den Teppich gekehrt: In Berlin wurden am Samstag Polizisten bei der Demonstration gegen das Sparpaket von einer Splitterbombe verletzt – damit wurde eine neue Qualität des Protests erreicht. Bisher ging uns meistens einfach noch viel zu gut, um überhaupt gegen irgendetwas zu demonstrieren. Anscheinend haben wir diese Grenze gerade auf unschöne Art und Weise überschritten.