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Dass wir alle nicht mehr ordentlich fotografieren können, hat man ja schon oft genug gelesen; weil wir alle nur noch mit Mobiltelefonen Fotos hinschludern, über die wir einen Retrofilter legen, damit das Foto irgendwie interessanter aussieht. Vielleicht hat das mit Zeitgeist zu tun, aber ich finde das immernoch enorm praktisch und irgendwie auch super. Neuestes Fundstück: Die App Picfx, mit der man verschiedene Effekte wie eine brüchige Leinwand oder einen Sternennebel über die Bilder legen kann. Das könnte man ja dann fast schon wieder als Kunst und so betrachten, die üblichen Kaffeefotos als glitzernde Frühstücksgalaxie. München in der Dämmerung, vielleicht wird das mein neues Projekt.


Ein paar Tage mit unzureichenden Internetverbindungen verbracht, und schon muss man ein paar Tage Internetgeschehen nacharbeiten. Matt tanzt wieder um die Welt, und während das Leistungsschutzrecht diskutiert wird, hat unser Verein D64 ein WordPress-Plugin entwickelt, das die Folgen des LSR visualisiert und eine Landingpage zwischenschaltet. In der Zwischenzeit bleibt ja immernoch die Idee im Hinterkopf, Bücher und Zeitungsartikel nicht mehr direkt zu besprechen, sondern die Handlung als Puppentheater nachzuspielen. Oder, analog zu Where the hell is Matt? könnten wir das in Zukunft auch als Tanzeinlage performen; dabei mit etwas Leichterem wie dem Lustigen Taschenbuch anfangen und später zu Krieg und Frieden vorarbeiten.


Mein neuer YouTube Crush is sexy and he knows it. Bei Ansicht des Videos wird dann alles klar. Bitte schauen Sie sich das Video nicht an, wenn Sie sehr sensibel sind oder hormonell in einer schwierigen Phase.

Die spannende Frage: Darf der das eigentlich? Das Lied einer anderen, bekannten Band covern und das Video dazu ins Internet stellen? Aus genau diesem Grund müssen wir uns nochmal über das Urheberrecht unterhalten, und Thomas Pfeiffer hat dazu eine unterstützenswerte Initiative auf wir-sind-die-buerger.de gestartet:

Das Internet verändert dramatisch die Rahmenbedingungen für kulturelles Schaffen. Plötzlich stellen sich urheberrechtliche Fragen für alle von uns – auch für Laien:

  • Wie viel Text darf man zitieren, ohne das Urheberrecht zu verletzen?
  • Darf man zu seinem Lieblingslied singen oder tanzen und das Video dazu im Internet veröffentlichen?
  • Darf man eine berühmte Filmszene nachsprechen oder im eigenen Sinn interpretieren (z.B parodieren)?
  • Ist eine bestimmte Art der Nutzung mit dem Kauf von CD, Buch oder Datei bereits abgegolten?

Wir Bürgerinnen und Bürgern sind mit den Regeln überfordert, wenn wir im Internet kreativ werden. Gleichzeitig sind kulturschaffende Profis zu Recht darüber empört, dass ihre Werke ohne Bezahlung verwendet werden.

Das finde ich die schönste Erkenntnis: “Wir sind mit den Regeln überfordert.” Ja, wir wollen das Urheberrecht nicht brechen, wir wollen auch gar nicht alles kostenlos; aber wir verstehen manche dieser Regeln einfach nicht so genau.


(Die vier Damen vom Spam)

Ein Fazit nach der re:publica 2012 – (es wurde schon fast alles dazu gesagt; nur eben noch nicht von jedem).

Für mich persönlich war das bisher die schönste re:publica mit einem wunderbaren Team (<3 Inés Gutiérrez, Maike Hank und Caro Buchheim) und unserem Vortrag zum Thema Poetry Spam (nächste Woche online zu sehen). Daneben passte die Stimmung, die Location, die anwesenden Leute – alles fühlte sich genau richtig an. Der Wechsel in die Station mit viel mehr Besuchern sorgte für ein gemischteres Publikum; dazu war es leichter möglich, von einer Session in die nächste zu kommen, weil erstens die Wege überschaubar waren, zweitens oft eine Viertelstunde Zeit zwischen den Vorträgen lag.  Dazu gab es den „Affenfelsen“, auf dem sich die verschiedenen Gruppen um Steckdosen herum drapierten und genug Platz zum Kaffee trinken hatten; zum tratschen und sozialen Interaktionen wie digitales Lausen.

Besonders viele Sessions habe ich nicht geschafft, aber zwei Vorträge blieben mir im Kopf – einerseits Cindy Gallop mit ihrem Projekt “Make Love, not Porn”, das sich zum Ziel gesetzt hat, die Realität im Bereich Sex noch einmal deutlicher darzustellen; für eine Generation, die mit allzeit verfügbarer Pornographie aufwächst und aufgrund mangelnder Aufklärung nicht so genau weiß, dass diese Hochglanzsexualität nicht alles ist, was Zweisamkeit ausmacht.
Bisher hatte ich nicht darüber nachgedacht, dass die digitale Überpornographisierung solche Folgen haben könnte – aber nach dem Vortrag finde ich es wichtig und richtig, dass eine Debatte über die Themen angestoßen wird, die als “Langzeitfolgen” des Internets bezeichnet werden können und uns selbst vielleicht gar nicht betreffen, sondern die Generation, die wirklich mit und im Internet aufwächst.

Wichtig fand ich ebenfalls Sascha Lobos Vortrag – und den Gedanken, dass es an der Zeit für eine Renaissance der Blogs in Deutschland ist. Daneben hat Sascha dem Publikum das “Uns” angeboten – und das fand ich eine weitere spannende Beobachtung: wie schwer es den meisten Internetmenschen fällt, sich selbst als Teil einer “Netzgemeinde” zu sehen. Die üblichen Argumente wie “Aber es gibt doch auch keine Fax- und Telefongemeinde!” kommen auf und das Gefühl, nicht Teil eines Clubs sein zu wollen, der einen als Mitglied akzeptieren würde. Und doch: auf der re:publica hat sich dieses Jahr der Großteil der “Netzgemeinde” versammelt. Wir sind der sichtbare Teil dieser Netzgemeinde, weil das Internet ein wichtiger Teil unseres Lebens ist – und weil wir alle publizieren (in Blogs, in Foren, auf Twitter) und Debatten anstoßen, um Themen, die uns und unser Leben direkt betreffen. Wir konsumieren nicht nur still, wir sind meistens nicht anonym, wir beziehen Stellung – weil uns das hier alles nicht egal ist.
Vielleicht würde uns etwas mehr Selbstbewusstsein gut tun – und das Bewusstsein dafür, dass sich diese Netzgemeinde als große, heterogene Gruppe nicht so einfach zusammenfassen lässt; aber dass es sie durchaus gibt, und es vollkommen in Ordnung ist, dazuzugehören.

Final noch ein paar Worte zum Thema Sichtbarkeit von Frauen und Frauenquote bei den Vortragenden auf der re:publica, die dieses Jahr bei 30% lag. Nachdem die re:publica-Panels in diesem Jahr bestätigt wurden, war in der Mail zu lesen, dass es bei Gruppen-Panels idealerweise von 5 Speakern zwei Frauen geben sollte. Ein lobenswerter Ansatz – der jedoch erst geäußert wurde, nachdem man sein Paper eingereicht hatte und die Session bereits geplant war. Daher finde ich es durchaus verständlich, dass nicht alle Panels im Nachhinein auf diese Vorgabe reagierten. Weiterhin bemerkte Das Nuf, dass in der Berichterstattung über die re:publica kaum Frauen zu Wort kamen. Das kann durchaus auch daher kommen, dass nicht besonders viele Frauen bereit waren, ein Statement abzugeben – ich selbst wurde im Laufe der Konferenz mehrmals um ein Statement gebeten und habe es jedesmal abgelehnt. Nicht, weil ich eine Frau bin; sondern, weil ich keine Lust hatte, mich öffentlich zu äußern. Vielleicht werden Frauen also nicht absichtlich übergangen, vielleicht wollen einige einfach nicht immer am öffentlichen Diskurs teilnehmen.

Gerade bei einer offenen Konferenz, die vom Mitmachen lebt, ist es in Zukunft eben an uns (“uns” = Netzgemeinde, oder “uns” = Frauen, je nach Sichtweise), selbst aktiv zu werden und uns zu beteiligen. Am Ende sollte es auch darum gehen, dass man selbst ein bestimmtes Thema in die Konferenz einbringen will – und nicht darum, eine Quote zu erfüllen. Mitmachen bedeutet Arbeit, ein Stück unserer Zeit, etwas mehr Hingabe – und die muss jede/r selbst aufbringen wollen; oder es eben lassen. Vielleicht ist es also wichtig, dass wir (= Netzgemeinde, oder = Frauen, oder = Frauen der Netzgemeinde) das ernst nehmen, dass wir selbst mehr Themen einreichen und auch alle Frauen ansprechen, die etwas zu sagen haben und das darüber hinaus in einem Vortrag tun wollen. Dann brauchen wir im nächsten Jahr keine Relevanzrelevanzdiskussionen mehr.

(Sehr gute Zusammenfassung der re:publica 2012 von A-Z hier.)


Die re:publica 2011 ist vorbei, und was bleibt, ist ein bißchen Chaos und Dissens in der Blogosphäre, und zwar: weil wir das gerade anscheinend dringend brauchen. Kuscheln ist vorbei und scheißegal sind die meisten Dinge gerade auch nicht mehr – was ja prinzipiell was Gutes ist. Persönlich hatte ich den Eindruck, dass die Stimmung dieses Jahr insgesamt ein bißchen angespannter war, distanzierter und manchmal auch etwas gereizt. Kann auch am schlechten Wetter an den ersten beiden Tagen und der überfüllten Kalkscheune gelegen haben (ja, auch darüber hat man jetzt genug gehört). Vielleicht lag  es aber auch an der Sinnsuche.

Zwei Debatten bleiben gerade noch ein wenig länger bestehen, es gibt endlich mal wieder Beef in Deutschland, und zwar gehackt. Zum einen geht es da um die Digitale Gesellschaft, die schon bei ihrer Gründung so auseinander genommen wird wie nichts Gutes – und da möchte ich einfach nur auf Mathias Richels Blog verweisen, der über “Meine, deine und unsere Verantwortung” schreibt. Macht euch mal bitte locker, macht es besser, oder macht doch einfach mal mit. (Disclaimer: Ohne zu wissen, wie das genau funktioniert dort in Zukunft, habe ich mich unter “Mitmachen” angemeldet. Weil ich das unterstützenswert finde, dass sich da überhaupt was bewegt und man mitmachen kann.)

Das andere Thema ist ja auch so eine Art, naja, Lieblingsthema von mir: Der Feminismus. Da gab es ein Panel, auf dem unter anderem über Frauen im Netz gesprochen wurde, ihre mangelnde Sichtbarkeit, und auch ihre mangelnde Reichweite. Weil 60 % der Blogs von Frauen geschrieben werden, aber nur 5 % der Blogs in den Deutschen Blogcharts von Frauen sind. (ich zitiere die Zahlen jetzt natürlich ungenau aus dem Kopf, man möge mir die Ungenauigkeit nachsehen). Manche Blogs in diesen Charts kommen mir ja auch kurios vor, aber was ich vermisse, ist eine empirische Studie darüber, warum Blogs nicht gelesen werden – von Frauen und von Männern. Liegt es an den Themen? Dass sie einfach scheiße schreiben? Dass sie sich untereinander in ihrem Themengebiet schlecht vernetzen? Ich persönlich kann dem einfach nichts abgewinnen, wenn wir immer darüber debattieren, was “wir Frauen” alles nicht können oder dürfen im Internet. Weil uns irgendwer anscheinend nicht lässt. Mich regt diese Haltung oft auf, ich wünsche mir da erstens konkretere Ursachenforschung und zweitens bessere Lösungsansätze. Für manche ist es vielleicht einfacher zu sagen “Mein Blog liest niemand, weil ich eine Frau bin” als zu sagen “Mein Blog liest niemand, weil es scheiße ist.” Und weil Sascha Lobo so schön in seinem Rant (siehe Video oben; meiner Meinung nach einer der besten Vorträge dieses Jahr) sagt, dass er immer angerufen wird, weil wir anderen so scheiße sind und uns scheiße präsentieren: Das richtet sich an uns alle, Frauen und Männer. Vielleicht müssen wir uns endlich mal mit wieder mehr mit Inhalten auseinander setzen und damit, wie wir diese an die Öffentlichkeit bringen. Was Lantzschi in ihrem Blog schön sagt: “Don’t speak for me anymore” – ich finde es auch nicht so gelungen, wenn Feministinnen von “uns benachteiligten Frauen” im Netz sprechen. Don’t speak for me anymore.

Was ich mir für die re:publica 2012 wünsche: Dass jeder, der die Themen dieses Jahr schwach fand, selbst ein Panel einreicht, das geiler ist. Das ist eine Mitmachkonferenz, die lebt ja nur vom Mitmachen. Wer sich für obergeil hält, soll uns andere bitte an dieser Obergeilheit teilhaben lassen. Ich wünsche mir mehr Debatten, in denen die Panelbetreiber auch genau die drei Nervensägen einladen, die sie wegen ihrer anderen Meinung nicht leiden können. Ich wünsche mir, dass wir nächstes Jahr wirklich als Digitale Gesellschaft zusammen über ein paar wichtige Themen reden, die uns alle betreffen, mit mehr Engagement. Und natürlich schnelles WLAN und ein Eis für alle. Wir brauchen nicht ewig nach dem Sinn suchen, wenn wir der ganzen Sache selbst einen Sinn geben.

Zum ersten Mal Twitterlesung in der Schweiz, und dann gleich so: Am Samstag, den 04.09.2010 lesen @PickiHH, @marthadear, @bjoerngrau und ich mal wieder einen bunten Strauß an Tweets vor.  Unterstützt werden wir von den Schweizer Herren @dworni und @madial. Das Ganze findet im Sphéres in der Hardturmstraße 66 statt und die lassen euch ab 20 Uhr zum Vorglühen rein. (Bitte nehmt das sehr ernst, erfahrungsgemäß wird dann auch schon am Anfang mehr gelacht. Bierernst, sozusagen.) Phänomenal organisiert wurde das ganze von den Blogwerkern @omenzi und @moritzadler – vielen Dank an dieser Stelle. Die Schweiz und ich, wir haben unsere Premiere, und das Bauchgefühl sagt, das wird sehr schön mit uns. (Mein Riesenminarett lass’ ich ausnahmsweise daheim.)

In einer idealen Welt wären wir vier die idealen Testimonials für die neue Apple-Kampagne. Mspro, Mathias Richel, Fräulein Rank und ich beim Schreiben der Moderation für Nilz Bokelberg zum Thema “Do’s and Don’ts im Umgang mit den Onlineprofilen Verstorbener”. Das perfekte Team mit Herm und Miss Caro noch dazu. Einer meiner absoluten Favoritenmomente der ganzen re:publica 2010. (Einen ausführlichen Artikel gibt es bei Mathias Richel, mit den kompletten fantastischen Bildern von Paul Neuhaus. Und falls Sie sich fragen, was es mit meiner Zunge auf sich hat: Die macht das so bei starker Konzentration.)

Hier in dieser facebook-Gruppe ereignet sich grade Großartiges: Menschen fotografieren sich, während sie ihren Tshirtaufdruck nachstellen.Hört sich plemm-plemm an, und deswegen funktioniert es so gut – mehr als 500 Mitglieder in 3 Tagen und mehr als 60 hochgeladene Bilder. Da kommen so super Sachen ans Tageslicht, unfassbar, was manche Leute in ihrem Kleiderschrank versteckt halten.

Eine der Großartigkeiten des Internets ist ja wirklich, dass es immer wieder den größten Quatsch rüberspült – so wie die phantastische Seite Awkward Family Photos (entdeckt durch Mathias Richel), auf der man nicht nur Stunden, sondern auch Tage verbringen kann, um ein Baby neben frischem Hackfleisch oder noch viel kuriosere Kuriositäten zu sehen. (Warnung: Diese Seite hat ein überdurchschnittlich hohes Suchtpotenzial.)