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Zwischenzeitlich könnte es den Anschein machen, als würde dies langsam, aber sicher zu einer Art Video-Musikblog verkommen. Das sind diese Tage, an denen ich endlich mal wieder einen längeren Text schreiben möchte, länger als nur ein paar Gedanken oder 140 Zeichen (uh, vielleicht einen frei erfundenen! Fiktion, das wäre doch was, nicht immer so selbstreferentiell, das alles). Dazu kommt es natürlich nicht, und in der Zwischenzeit ist das für alle Beteiligten – wie soll ich sagen – ein recht überschaubares Vergnügen. Man kann hier ja nur ein wenig rumschauen und bei den derzeit recht seltenen Einträgen das Lied anhören und dann, ich weiß auch nicht. Wieder wegsurfen. Das hat hier oft den recht autistischen Charme eines Selbstgesprächs – man kann hier nichts sharen, nichts liken, nichts bewerten und auch meist nicht kommentieren. Einer der wenigen Orte im Internet, an dem man seine Meinung nicht kundtun kann, nichts mögen muss, aber gelegentlich auf Play klicken kann. Ein bißchen was lesen und gelegentlich mit der Maus über die einzelnen Bilder streicheln, wenn es passend erscheint. Eigentlich ist das ziemlich schön, wir müssen hier alle nichts (unter anderen Umständen würde ich hier in unserem beschaulichen Sitzkreis vielleicht  ein Räucherstäbchen entzünden und fragen, ob jetzt nicht der ideale Moment wäre, um “mal offen über alles zu reden”), aber man muss es ja auch nicht übertreiben.

Lisa fragte nach den geheimen Dingen, die man macht, wenn keiner dabei zuschaut.

1. Die wirklich wichtigen Dinge mit einem Stück Plastik aushandeln, bis es jeglichen Glanz verloren hat.

2. Mit ihm einschlafen.

3. Große Worte mit heißem Wasser füllen und an’s Herz legen.

4. Die wahren Geschichten und Geheimnisse auf Papier aufschreiben und nicht im Internet.

5. Frauenfilme anschauen an Tagen, die dringend ein Happy End brauchen.

Ich frage mich, was der .Sü, Roman Held, Frau Fragmente oder das Fräulein mit den Socken machen, wenn niemand dabei zusieht.

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Man kann aus Mettwurst kein Marzipan machen. Sagt der Großmeister der Alltagsweisheiten. Wieso man das überhaupt sollte. Mettwurst ist weitaus sympathischer als Marzipan, wer mag schon Marzipan? Nicht in den kleinen Schichten im Dominostein, die Rohmasse, ohne Schokoladenschutz. Und doch, wenn man vor die Wahl gestellt würde, ein ganzes Kilo Mettwurst pur oder ein Kilo Marzipanrohmasse zu essen – es ginge um etwas, etwas Wichtiges, denn in Gedankenexperimenten, da muss es immer um wichtige Dinge gehen, das ist die Grundvoraussetzung – was wäre es dann? Nicht wirklich wichtig in der Realität, einerseits. Andererseits verdienen die Dinge, zu Ende gedacht zu werden. Meistens kommt man nicht dazu. Angedachte Gedanken liegen in den Hirnwindungen wie angekaute Brezenstücke, nach ein paar Tagen oll und hart, Entenfutter ohne Zugang zu hungrigen Enten. (Gibt es das eigentlich, unhungrige Enten? Können die nicht immer essen? Ich kenne nicht sehr viele Enten persönlich.) Bei der nächsten Gelegenheit sollte man sich die Zeit nehmen, alles zu Ende zu denken, all die angehäuften Gedankenpartikel, die rauen und die weichen, die groben und die feinen, die zähen und die geschmeidigen, damit nichts übrig bleibt, kein Bodensatz am Hirneingang. Und auch keine Mettwurst.

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Jedem einzelnen Strauß beim Verwelken zusehen, als ginge das sowieso nicht schon schnell genug. Den Weg nicht ganz heil überstanden, kleine Einrisse am Rand. Was einem das sagen soll. Diese Tage und Wochen, die nichts übrig lassen, nichts Nennenswertes. Eine Aneinanderreihung kleiner Ausflüge, in denen man in eine Betonmischmaschine springt und wider jeglicher Gesetzmäßigkeit versucht, eine Runde nach der anderen in der zähen Masse zu schwimmen. Wie lange man das so machen kann. Eine Weile noch, zumindest.

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Dass sie sich verfahren habe, ja, das sei ihr einfach so passiert, eigentlich wollte sie zum Ammersee, und auf einmal war sie am Langwieder See. Da hätte sie mal vorher besser die Karte. Ja. Und nun sitze sie hier nur kurz im Westpark, um sich zu entspannen, weil das Wetter doch heute. Aber Wolfgang, da müssen wir jetzt wirklich noch drüber reden. Das ist eine, wirklich, ich glaube nicht, dass das mit euch passt. Ihre Stimme wird hier nun etwas schrill. Das sei nun mal einfach die Sorte Mensch, mit der sie nichts anfangen könne, sie habe es ja wirklich lange genug versucht, aber das ginge einfach nicht. Das ist vor allem die Sorte Mensch, die eine halbe Stunde vom Headset neben einem telefoniert, wo man gerade hier so schön und so weiter. Das ist die Sorte Mensch, die sich nicht einfach nur entspannt, sondern gleich die Seele baumeln lässt, und nicht irgendwas tut, weil es verdammt gut ist, sondern weil sie sich nun “auch mal was gönnt”. Ja, die Sorte Mensch, die da vorher nicht saß, weil man sich selbst dann doch nie daneben. Was er auch immer sagt, der Wolfgang, sie hört gar nicht hin, der Wolfgang, was soll er auch noch sagen. Am Ende ist das immer so.

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Von hier aus ist kein Stück Himmel zu sehen, nur drei Milliarden Blätter und das rote Leuchten der Rutsche im Nachbarhof. Idyllisch, so hatte man sich das vorgestellt, das Leben in der halben Wildnis, Vogelgezwitscher und Eichhörnchen direkt vorm Fenster. Im Winter, als die Bäume noch nackt und unbeblattet waren, fiel das nicht so auf, da war genug Sonne und Himmel und Schneesturm für alle da. Jetzt muss man einen Schritt nach draußen treten und den Kopf bis zum Anschlag in den Nacken legen, um einen winzigen Ausschnitt des sommerblauen Himmels sehen zu können, wolkenfrei und ohne Flugzeugkondensstreifen. Und auf einmal wünsche ich mir  viel mehr Blau in meiner Aussicht, mehr Wolken und mehr Sonne, ein allumfassendes Paket.

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Das absolute Top-Geschenk. Kindergeburtstag reloaded, mit Schneewittchen und den 7 Zwergen in einer Willy-Wonka-Umgebung. Innen verstecken sich zwischen drei Teigschichten eine Schicht Mousse au Chocolat und eine Schicht Erdbeercreme, und das äußere Kunstwerk ist aus eingefärbtem Marzipan.(Schneewittchen und ihre Freunde sind aus Plastik).

 

Dass es so werden würde, wer hätte das wissen können. Und dass es überhaupt irgendwie sein müsste, das liegt in der Natur der Sache, dass es immer irgendwie zu sein hat. Das wöchentliche Wechseln, von einem Ende der Skala zum anderen, eine Achterbahnfahrt ohne die sicherfestdrückenden Sicherheitsbügel.  Dazwischen stehen einzelne Worte und ganze Sätze, nicht zu vergessen und nicht zu verrücken. Wenn einer wenigstens mal was gesagt hätte, was Ordentliches, mit fester Stimme, und einem durchgedrückten Rückgrat. Die sind selten geworden. Und doch gewinnt keiner hier einen Preis, keine Schärpe, keinen Blumenstrauß. Schnittblumen sind zwar eine traurige Angelegenheit, an und für sich, aber so einfach löst sich die Sache nicht auf. Wer anderen eine Bratwurst brät, hat sicher ein Bratwurstbratgerät. Aber manchmal ist die Grillkohle aus und man hat den Klappspaten vergessen, irgendwo. In der Zwischenzeit wurde aus dem Konjunktiv ein Imperfekt, gefühlt schon eine Weile, grammatikalische Zwischenwelten, nur noch mit dem Rotstift zu durchschreiten und zu durchstreichen. Beim nächsten Mal vielleicht vorher den Beipackzettel lesen, die Risiken und Nebenwirkungen, die großen und kleinen Katastrophen und den Sturm im Wasserglas vermessen, bewerten und analysieren. Wie sich das gehört, in diesen Zeiten.

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“Machen Sie mal was jugendlich-frisches, so dass die Zielgruppe sich angesprochen fühlt.” So oder so ähnlich muss das Agenturbriefing für diese Postkartenkampagne der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung gelautet haben. Das Gegenteil von gut ist gut gemeint, das trifft hier auch mal wieder des Pudels Kernproblem. Weil das Budget recht knapp war, wurde das Faschingsequipment der einen Sekretärin verwendet, die Luftschlangen waren noch aus dem letzten Jahr übrig, und die Azubine und die Grafikpraktikanten wurden gezwungen, sich in dieser erniedrigen Konstellation ablichten zu lassen. Eigentlich wäre das ja die Mühe wert gewesen, Alkoholismus unter Jugendlichen ist wirklich ein ernstzunehmendes Thema – aber diese Karten führen zu einem schallenden Lacher, und wenn es gut geht, benutzt man sie später noch als Bierdeckel, damit der Esstisch keine Bierflaschenränder abkriegt und die Mutti nicht schimpft später. “Merke: Zu viel Alkohol bedeutet nix los in der Hose.” Auf diesen Schocker bräucht ich jetzt erstmal nen Doppelten.