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ein paar Dinge würde ich gerne loswerden. Man hört häufig, dass der Onlinehandel den Einzelhandel kaputt machen würde – aber nach den letzten Wochen glaube ich das nicht. Teilweise mag das bei kleineren Läden stimmen, aber eigentlich gibt der Onlinehandel den Verbrauchern, also Kunden und Ex-Kunden, nur die Chance, woanders mehr Auswahl und bessere Leistungen zu erhalten. Aber in den meisten Geschäften merkt man auch, dass wenig Mühe investiert wird, einen besseren Service als online zu bieten.

(Das ist übrigens der Hauptgrund, warum Baumärkte so einen schlechten Service bieten können und das Verkaufspersonal sich meist zu verstecken scheint: bisher gibt es keine Online-Alternative; einerseits weil man in einer neuen Wohnung kein Internet hat, andererseits weil man sowas wie “diese eine Schraube” sucht und meist viel Beratung braucht… aber wenn das mal jemand intelligent löst…)

Ich selbst kaufte bisher fast nur noch für den täglichen Bedarf im Einzelhandel ein – Lebensmittel und Drogerieprodukte, insgesamt bin ich sonst gut ausgestattet und interessiere mich nicht für Trends; deswegen kaufe ich etwa zwei mal im Jahr (wenn wieder Sommer/Winter ist) bei zwei, drei Onlinehändlern was dem Kleiderschrank fehlt und ersetzt werden muss. An mir selbst ist also nicht viel zu verdienen, vor allem, weil ich das Einkaufen von Kleidung in Geschäften hasse – das ewige Rumlaufen in Läden, endloses Suchen, lange Schlangen, und so weiter.

Aber vor kurzem ist ein neuer Mensch in mein Leben getreten – und auch wenn es immer heißt “Babys brauchen am Anfang nicht viel!”, wollte und musste ich aufgrund dieser neuen Bekanntschaft einige Dinge besorgen – und zwar einige Dinge, die ich vorher noch nie besorgt hatte. Im Zuge dessen fiel mir mehrfach auf, dass der Einzelhandel an sich kaputt ist – und dass das mit dem Onlinehandel gar nichts zu tun hat.

Die ersten paar Male dachte ich, das könnte ein Versehen sein, aber ich ärgerte mich wirklich oft in Geschäften. Denn gerade in dieser Phase hätte ich gerne Geld investiert – und gerade beim eigenen Kind tendiert man doch eher dazu, selbst bei zwei recht gleichwertigen Gegenständen nicht unbedingt das Billigste zu kaufen. Was für eine vertane Chance! Ich wollte also immer wieder Dinge kaufen, und konnte oft nicht.

Hier also eine Auflistung meiner letzten sechs Ärgernisse aus den letzten paar Wochen:

1) Das chronisch leere Regal

Im Drogeriemarkt in der Nähe (in dem ich sonst nicht einkaufen würde, weil er insgesamt zu klein ist), sind einige beliebte Kinderpflegeprodukte irgendwie immer ausverkauft, wenn ich im Laden bin. Mehrmals habe ich nachgeschaut, das Preisschild hängt dann noch am Regal, also DA müsste es sein, aber wann immer ich schaue, ist das Fach leer. Entweder reißen es die Eltern jeden Tag aus den Regalen, bevor ich komme – oder, etwas wahrscheinlicher, die Bestellungen der Ware orientieren sich nicht am realen Bedarf. Wieso? Man kann doch im Kassensystem sehen (theoretisch), wann wie viel Ware über den Tresen geht und wann die Bestände weg sein müssten…. vielleicht werden die Daten nicht ausgewertet, vielleicht ist das zu kompliziert, aber dann könnte es das Verkaufspersonal mit bloßem Auge erkennen, dass das Regal immer leer ist.

2) “Da muss ich mal im Lager schauen.” (Verkäuferin augenrollend ab)

Im selben Drogeriemarkt wollte ich Windeln kaufen; dazu muss man sagen: die beiden kleinsten Windelgrößen passen Babys oft nur wenige Wochen, weshalb die Packungsgrößen recht klein sind und die Vorräte in den Läden oft kleiner sind als in den anderen Windelgrößen. Soweit, so gut. Als ich die Verkäuferin danach fragte und sie antwortete, dass sie deshalb extra ins Lager müsse, klang das ungefähr so, als hätte ich Sisyphos noch einmal gebeten, den Stein ein weiteres Mal den Berg hinaufzurollen. Wenn ich also als Kundin gerne etwas kaufen möchte und das Personal mir deutlich macht, dass das jetzt aber eine ungewöhnliche Belastung ist, dann… kaufe ich die Windeln eben woanders.

3) “Vielleicht bekommen wir davon morgen neue Ware.”

Als die Verkäuferin wieder kam und keine Windeln dabei hatte, sagte sie, dass wohl morgen neue Ware komme. Aber sie wusste es nicht sicher, und sie wusste auch nicht, um wieviel Uhr… ja, das Leben ist kurz, und ich habe weder Zeit noch Lust, alle paar Stunden zum Drogeriemarkt zu laufen, um zu schauen, ob das Regal jetzt endlich voll ist.

4) Riesige Auswahl online, winzige Auswahl im dazu gehörigen Geschäft

Die meisten Kleidungsstücke für das Baby hatte ich geschenkt bekommen und einiges online gebraucht gekauft. Es fehlten noch wenige Teile, und nachdem ich mir auf den Websites von zwei großen Kleidungshändlern genau ausgesucht hatte, was ich kaufen wollte, fuhr ich in ein Einkaufszentrum, wo beide Händler direkt nebeneinander Filialen haben.

Im ersten Geschäft war die Kinderecke klein, da hingen einige Kleider für Schulkinder – für Babys war nichts zu sehen. Ich fragte also einen Verkäufer, der “wusste es leider auch nicht”, und letztlich fand ich in der hintersten Ecke der Kinderabteilung eine kleine Kiste mit ein paar Babybodys. Alles, was ich online ausgewählt hatte und kaufen wollte, gab es nicht – ich kaufte also nichts, und bestellte die Sachen später im Internet. (Den Weg hätte ich mir ja sparen können!)

5) Rabatt im Onlinestore, im Geschäft nicht

Im nächsten Geschäft fand ich zwar, was ich suchte; jedoch längst nicht alles. Und während die exakt gleiche Ware im Onlinestore reduziert war, gab es im Ladengeschäft alles zum Normalpreis. Ich kaufte also, was ich geplant hatte, und ärgerte mich. (Den Weg hätte ich mir ja auch sparen können; also im wahrsten Sinne des Wortes.)

6) “In Ihrer Größe haben wir das nicht mehr, aber ich könnte eine andere Größe bringen.”

Da ich nun auch mehrere Stunden am Tag spazieren muss, wollte ich neue Turnschuhe erwerben; gerne das Nachfolgermodell meiner Lieblingsschuhe, die nach drei Jahren langsam auseinander fallen. Ich ging also in den Flagshipstore der großen Marke, um dort Schuhe zu kaufen. (Flagshipstores sind diese repräsentativen Läden von Marken in Gebieten, wo die Ladenmiete so teuer ist, dass der Laden unmöglich gut laufen kann; es ist also eher so etwas wie ein teurer Showroom). Der Laden an sich war nicht barrierefrei, so dass ein paar Stufen zur zweiten Ebene im Erdgeschoss mit den Herrenschuhen führten und eine große Treppe zu den Damenschuhen. Den Kinderwagen mit dem schlafenden Kind musste ich also kurz stehenlassen, und fühlte mich dabei ziemlich unwohl. (Ein Onlineshop hat keine Stufen!)

In der Herrenabteilung probierte ich zwei Schuhe, die mich nicht richtig überzeugten; in der Damenabteilung wollte ich gerne zwei Modelle probieren, doch die Verkäuferin sagte mir, dass die Schuhe in meiner Größe ausverkauft seien; sie könne sie aber in einer kleineren Nummer bringen. Das sei nämlich so: von den etwas größeren Damenschuhen bekommt die Filiale immer nur recht wenige Exemplare, und die sind dann immer so schnell ausverkauft, weil viele Frauen diese Schuhgröße haben…. also kaufte ich nichts.

Wann immer ich also in diesen Geschäften stand, merkte ich, warum ich so ungerne in Geschäften einkaufe: weil es einem so verdammt schwer gemacht wird, zu bekommen, was man gerne möchte. Und dann ärgert man sich kurz, klickt zuhause durch drei Onlineshops und hat ein bis zwei Tage später, was man wollte, ohne dafür noch lange rumlaufen zu müssen…. beim nächsten Mal dann halt gleich so. Aber dann will ich auch wirklich nie wieder hören, dass man durch diese Bestellungen den Einzelhandel in den Ruin treibt – denn das schafft der vorher schon selbst.

Ein paar Ideen, wie es besser funktionieren würde: mit einem Warensystem, das schnell anzeigt, was wo fehlt und bestellt werden muss; vielleicht sogar so, dass das Personal mit Barcodescan sofort im Laden sagen kann, ob es im Lager ist oder bis wann das Produkt da sein kann. Dazu alles etwas schneller – Bestellung der fehlenden Ware bis abends oder am nächsten Morgen – das bekommt jede kleine Apotheke hin; mit etwas mehr Aufwand könnten das auch andere Geschäfte schaffen. Barrierefreiheit, gut geschultes Personal, ein etwa gleichwertiges Sortiment im Laden und im eigenen Onlinestore, und Ware auch in den sehr begehrten Kleidergrößen verfügbar… dann könnte der Einzelhandel ja ein Comeback feiern.

P.S.: Ninia La Grande reicht es auch mit dem Einzelhandel (und den Verkaufsanrufen), und die liebe Nessy hat jetzt vor lauter Ärger Lebensmittel online bestellt. (Vielleicht wird es Zeit für die Blogparade “Lieber Einzelhandel”, die den Blutdruck mal so richtig hochtreibt…)


Zwischenzeitlich könnte es den Anschein machen, als würde dies langsam, aber sicher zu einer Art Video-Musikblog verkommen. Das sind diese Tage, an denen ich endlich mal wieder einen längeren Text schreiben möchte, länger als nur ein paar Gedanken oder 140 Zeichen (uh, vielleicht einen frei erfundenen! Fiktion, das wäre doch was, nicht immer so selbstreferentiell, das alles). Dazu kommt es natürlich nicht, und in der Zwischenzeit ist das für alle Beteiligten – wie soll ich sagen – ein recht überschaubares Vergnügen. Man kann hier ja nur ein wenig rumschauen und bei den derzeit recht seltenen Einträgen das Lied anhören und dann, ich weiß auch nicht. Wieder wegsurfen. Das hat hier oft den recht autistischen Charme eines Selbstgesprächs – man kann hier nichts sharen, nichts liken, nichts bewerten und auch meist nicht kommentieren. Einer der wenigen Orte im Internet, an dem man seine Meinung nicht kundtun kann, nichts mögen muss, aber gelegentlich auf Play klicken kann. Ein bißchen was lesen und gelegentlich mit der Maus über die einzelnen Bilder streicheln, wenn es passend erscheint. Eigentlich ist das ziemlich schön, wir müssen hier alle nichts (unter anderen Umständen würde ich hier in unserem beschaulichen Sitzkreis vielleicht  ein Räucherstäbchen entzünden und fragen, ob jetzt nicht der ideale Moment wäre, um “mal offen über alles zu reden”), aber man muss es ja auch nicht übertreiben.

Lisa fragte nach den geheimen Dingen, die man macht, wenn keiner dabei zuschaut.

1. Die wirklich wichtigen Dinge mit einem Stück Plastik aushandeln, bis es jeglichen Glanz verloren hat.

2. Mit ihm einschlafen.

3. Große Worte mit heißem Wasser füllen und an’s Herz legen.

4. Die wahren Geschichten und Geheimnisse auf Papier aufschreiben und nicht im Internet.

5. Frauenfilme anschauen an Tagen, die dringend ein Happy End brauchen.

Ich frage mich, was der .Sü, Roman Held, Frau Fragmente oder das Fräulein mit den Socken machen, wenn niemand dabei zusieht.

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Man kann aus Mettwurst kein Marzipan machen. Sagt der Großmeister der Alltagsweisheiten. Wieso man das überhaupt sollte. Mettwurst ist weitaus sympathischer als Marzipan, wer mag schon Marzipan? Nicht in den kleinen Schichten im Dominostein, die Rohmasse, ohne Schokoladenschutz. Und doch, wenn man vor die Wahl gestellt würde, ein ganzes Kilo Mettwurst pur oder ein Kilo Marzipanrohmasse zu essen – es ginge um etwas, etwas Wichtiges, denn in Gedankenexperimenten, da muss es immer um wichtige Dinge gehen, das ist die Grundvoraussetzung – was wäre es dann? Nicht wirklich wichtig in der Realität, einerseits. Andererseits verdienen die Dinge, zu Ende gedacht zu werden. Meistens kommt man nicht dazu. Angedachte Gedanken liegen in den Hirnwindungen wie angekaute Brezenstücke, nach ein paar Tagen oll und hart, Entenfutter ohne Zugang zu hungrigen Enten. (Gibt es das eigentlich, unhungrige Enten? Können die nicht immer essen? Ich kenne nicht sehr viele Enten persönlich.) Bei der nächsten Gelegenheit sollte man sich die Zeit nehmen, alles zu Ende zu denken, all die angehäuften Gedankenpartikel, die rauen und die weichen, die groben und die feinen, die zähen und die geschmeidigen, damit nichts übrig bleibt, kein Bodensatz am Hirneingang. Und auch keine Mettwurst.

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Jedem einzelnen Strauß beim Verwelken zusehen, als ginge das sowieso nicht schon schnell genug. Den Weg nicht ganz heil überstanden, kleine Einrisse am Rand. Was einem das sagen soll. Diese Tage und Wochen, die nichts übrig lassen, nichts Nennenswertes. Eine Aneinanderreihung kleiner Ausflüge, in denen man in eine Betonmischmaschine springt und wider jeglicher Gesetzmäßigkeit versucht, eine Runde nach der anderen in der zähen Masse zu schwimmen. Wie lange man das so machen kann. Eine Weile noch, zumindest.

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Dass sie sich verfahren habe, ja, das sei ihr einfach so passiert, eigentlich wollte sie zum Ammersee, und auf einmal war sie am Langwieder See. Da hätte sie mal vorher besser die Karte. Ja. Und nun sitze sie hier nur kurz im Westpark, um sich zu entspannen, weil das Wetter doch heute. Aber Wolfgang, da müssen wir jetzt wirklich noch drüber reden. Das ist eine, wirklich, ich glaube nicht, dass das mit euch passt. Ihre Stimme wird hier nun etwas schrill. Das sei nun mal einfach die Sorte Mensch, mit der sie nichts anfangen könne, sie habe es ja wirklich lange genug versucht, aber das ginge einfach nicht. Das ist vor allem die Sorte Mensch, die eine halbe Stunde vom Headset neben einem telefoniert, wo man gerade hier so schön und so weiter. Das ist die Sorte Mensch, die sich nicht einfach nur entspannt, sondern gleich die Seele baumeln lässt, und nicht irgendwas tut, weil es verdammt gut ist, sondern weil sie sich nun “auch mal was gönnt”. Ja, die Sorte Mensch, die da vorher nicht saß, weil man sich selbst dann doch nie daneben. Was er auch immer sagt, der Wolfgang, sie hört gar nicht hin, der Wolfgang, was soll er auch noch sagen. Am Ende ist das immer so.

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Von hier aus ist kein Stück Himmel zu sehen, nur drei Milliarden Blätter und das rote Leuchten der Rutsche im Nachbarhof. Idyllisch, so hatte man sich das vorgestellt, das Leben in der halben Wildnis, Vogelgezwitscher und Eichhörnchen direkt vorm Fenster. Im Winter, als die Bäume noch nackt und unbeblattet waren, fiel das nicht so auf, da war genug Sonne und Himmel und Schneesturm für alle da. Jetzt muss man einen Schritt nach draußen treten und den Kopf bis zum Anschlag in den Nacken legen, um einen winzigen Ausschnitt des sommerblauen Himmels sehen zu können, wolkenfrei und ohne Flugzeugkondensstreifen. Und auf einmal wünsche ich mir  viel mehr Blau in meiner Aussicht, mehr Wolken und mehr Sonne, ein allumfassendes Paket.

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Das absolute Top-Geschenk. Kindergeburtstag reloaded, mit Schneewittchen und den 7 Zwergen in einer Willy-Wonka-Umgebung. Innen verstecken sich zwischen drei Teigschichten eine Schicht Mousse au Chocolat und eine Schicht Erdbeercreme, und das äußere Kunstwerk ist aus eingefärbtem Marzipan.(Schneewittchen und ihre Freunde sind aus Plastik).

 

Dass es so werden würde, wer hätte das wissen können. Und dass es überhaupt irgendwie sein müsste, das liegt in der Natur der Sache, dass es immer irgendwie zu sein hat. Das wöchentliche Wechseln, von einem Ende der Skala zum anderen, eine Achterbahnfahrt ohne die sicherfestdrückenden Sicherheitsbügel.  Dazwischen stehen einzelne Worte und ganze Sätze, nicht zu vergessen und nicht zu verrücken. Wenn einer wenigstens mal was gesagt hätte, was Ordentliches, mit fester Stimme, und einem durchgedrückten Rückgrat. Die sind selten geworden. Und doch gewinnt keiner hier einen Preis, keine Schärpe, keinen Blumenstrauß. Schnittblumen sind zwar eine traurige Angelegenheit, an und für sich, aber so einfach löst sich die Sache nicht auf. Wer anderen eine Bratwurst brät, hat sicher ein Bratwurstbratgerät. Aber manchmal ist die Grillkohle aus und man hat den Klappspaten vergessen, irgendwo. In der Zwischenzeit wurde aus dem Konjunktiv ein Imperfekt, gefühlt schon eine Weile, grammatikalische Zwischenwelten, nur noch mit dem Rotstift zu durchschreiten und zu durchstreichen. Beim nächsten Mal vielleicht vorher den Beipackzettel lesen, die Risiken und Nebenwirkungen, die großen und kleinen Katastrophen und den Sturm im Wasserglas vermessen, bewerten und analysieren. Wie sich das gehört, in diesen Zeiten.