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Vor den Feiertagen entsteht diese seltsame retrospektive Stimmung, in der man melancholisch auf das Jahr zurückblickt. Selbst wenn man das nicht vorhatte. Man verabschiedet sich von manchen Leuten und sagt: Wir sehen uns dann im neuen Jahr. Das hört sich an, als läge da eine kleine Zeitreise dazwischen. Andere Menschen sagen: Wir treffen uns zwischen den Jahren. Als ob es da ein Zeitvakuum gäbe, das weder zum einen, noch zum anderen Jahr gehörte. Diese Jahresendzeit ist überschattet mit Vorsätzen und Sorgen, selbst wenn man sich da irgendwie davon distanziert, hört es erst auf, wenn das Gefühl mit Sekt und Raketen weggeschossen wurde.

Nach vorne blickend (und passend zum Modethema der letzten Wochen) fragt der Spiegel: Was trägt das Schnitzel 2009? (hier wird das grandiose Wort Fleischmantel ins Spiel gebracht). Vielleicht aber auch goldene Schuhe? Oder ist das mit den Flügeln zu viel des Guten?

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Nach einem Gespräch und einem Blogbeitrag von Lisa über das Phänomen Modeblogs und Modeblogmode möchte ich an dieser Stelle eine Lanze brechen für Jeans und T-Shirts. Und ja, ich meine nicht Tops, sondern das gute alte Rundhals-Shirt. Mädchen in Modeblogs tragen keine Rundhalsshirts, im Leben nicht. Sie tragen oft irgendwelche sackartigen Oberteile zu Röhrenjeans oder Leggings. Meistens denke ich: huch, da fehlt doch noch ein Rock drüber, man kann doch nicht nur mit Strumpfhose auf die Straße. Ich besitze auch etwas Ähnliches wie eine Leggings, ich nenne es Ski-Unterhose und trage es bei Außentemperaturen von minus zehn Grad unter Jeans. Das mit dem Geschmack kann jeder halten wie er will, und tatsächlich finde ich Modeblogmode höchst interessant, auch wenn ich selbst nicht so auf die Straße gehen würde. Meine eigenen modischen Wurzeln liegen viele Jahre zurück und haben mit Skaten und Hip Hop zu tun. Ich hing mit Leuten rum, die ihre Schuhe mit Socken ausstopften, damit sie dicker aussahen (wirklich!), Inline-Skater und Karotten-Hosen waren das Uncoolste, was wir uns vorstellen konnten. Viele Dinge von damals haben sich in meinem Bewusstsein gehalten, aus Baggy Pants wurden „normal weite“ Hosen, die riesigen Skater-Schuhe wurden gegen schlankere Turnschuhe ausgetauscht. Mein Kleiderschrank beherbergt durchaus auch Kleider und Röcke und hohe Schuhe, in denen ich mich aber meist verkleidet fühle. Mein Lieblings-Shirt ist der Astronaut mit Ghettoblaster, danach kommt das graue Shirt mit den Feuerwehr-Männern. Dem Phänomen Röhrenhose kann ich bisher auch an den meisten sehr dünnen Frauen und Männern nichts abgewinnen, irgendwie erinnert mich diese Mode an einen Heroin-Junkie-Chic oder an eine hungrige Armee. Diese leptosomen Körper sehen aus wie zu groß gewachsene Kinder, die Jungs ohne nennenswerte Muskeln, die Mädchen ohne Figur oder Kontur. Vielleicht ist das auch so eine ähnliche Geschichte wie mit den verlorenen Jungs bei Peter Pan – ein Statement dafür, nicht zu Männern und Frauen zu werden, sondern alternde Teenager zu bleiben.

Erstaunlicherweise wirkt es durch die Allgegenwärtigkeit dieser Modeblogmode so, als würden alle jungen Menschen so aussehen – aber an einem ganz normalen Nachmittag in einer Fußgängerzone trägt vielleicht einer unter zehn Leuten ein solches Outfit. Charmant ist höchstens die Art und Weise, wie sich Modeblogger selbst fotografieren – und was das über sie aussagt. Wenn ich ein Modeblogger wäre, müsste ich mich wohl ständig für meinen Gesichtsausdruck und meine Puschelfrisur auf diesen Bildern entschuldigen. Was dringend fehlt, ist aber wirklich ein andere Streetstyle-Blogkultur – Outfits, die nicht aussehen, als wären sie direkt von einem Laufsteg gefallen, sondern von echten Menschen an einem ganz normalen Tag getragen und fotografiert.

Für alle, die nicht wissen, worum es geht, hier eine lose Auswahl von Mode- und Streetstyle-Blogs (ohne jegliche Wertung & in alphabetischer Reinfolge):

Bees and Ballons, Bohemian Musings, Facehunter, Fashion Toast, Glamcanyon, Laelitah, La Lila, Lea loves, Les Mads, The Sartorialist [noch mehr Auswahl findet sich in der ausführlichen Blogroll von Les Mads]