Info

Posts from the München Category

np1

np2

np4

np3

np5

Während es in den oberen Ausstellungsräumen der Neuen Pinakothek gewohnt schön ist an Atmosphäre und Gezeigtem (aktuelle Sonderausstellung: Der weite Blick – Landschaften der Haager Schule aus dem Rijksmuseum bis 19.01.), wirkt die Ausstellung zeigenössischer niederländischer Fotografie: Nature as Artifice im Keller so, als würde sie in einer Leichenhalle gezeigt. Tolle Bilder zeigen industrielle Tristesse und zugleich schöne Landschaften. Prima Programm fürs Wochenende, als Kontrast zu vollen Einkaufspassagen und Weihnachtsmarkt-Overkill.

The Kooks in München im Zenith – eigentlich hätte man sich das mit dem sehr jungen und sehr weiblichen Publikum vorher denken können. Das Zenith war dazu so voll, dass man genau nichts sehen konnte. Als Vorbands spielten zuerst Johnny Flynn und dann die Band Mystery Jets – ab und zu konnte man die glitzernden Pailletten ihrer Shirts in der Ferne leuchten sehen. Eigentlich hätte alles schön sein können, wenn um uns herum nicht ein wahrer Zickenkrieg ausgebrochen wäre. Da fragte mich dann ein etwa 16 Jahre altes Mädchen, ob ich gerade ihre Freundin ausgelacht hätte. Hatte ich nicht – sonst hätte ich auch noch mit dem Finger auf sie gezeigt. Als die Kooks endlich anfingen zu spielen, brach eine Welle der Gewalt in unserem Bereich aus, die uns mehrere Meter von unserem Platz wegspülte – nach zwei Songs ließ der Schmerz immerhin nach. Das sind die Momente, in denen ich mich auf Bingo-Abende mit Heizdecke im Altersheim freue – auch wenn es leider noch etwa 60 Jahre dauert bis dahin. Insgesamt war es ein sehr solides Kooks-Konzert. Bilder von gestern Abend gibt es leider keine, die Kamera musste am Eingang abgegeben werden. Während dem Konzert blitzte es die ganze Zeit von Handys und kleinen Digicams – fotografieren war laut der Security nicht verboten, nur Spiegelreflexkameras. Man könnte mit dem Objektiv werfen. Mein Einwand, dass man auch mit einem Schuh werfen könnte und deswegen längst nicht alle die Schuhe ausziehen müssen, wurde mit einem „Aber ein Objektiv ist eben sehr schwer“ quittiert. Der gesunde Menschenverstand regiert jedenfalls nicht bei solchen Überlegungen – niemand würde sein wertvolles Objektiv bei einem Konzert werfen. Gesamtfazit: Musik war in Ordnung, der Rest sehr ernüchternd.

Anhören: The Kooks – Ooh La.

cafekosmos1

cafekosmos4

cafekosmos2

cafekosmos3

Ein bißchen wie in Berlin vielleicht, aber doch mitten in München – das Café Kosmos. Es sieht aus wie im Wohnzimmer deiner Oma, nur noch abgeranzter, mit offenen Löchern in den Wänden; statt Tee und Kaffee aus geblümtem Porzellan gibt es hier Astra und andere Getränke zum sehr günstigen Preis – anscheinend hat sich das schon rumgesprochen. An Stelle deiner Oma und ihrer Freundinnen hängt hier ein sehr gemischtes Publikum in den Biedermeier-Sesseln neben dir: ein bißchen Indievolk, ein paar Elektrokids (die Sorte, die sich selbst als „stylisch“ bezeichnen würde), ein paar Rockabillies und einige ganz „normale“ Leute sind auch da. Rauchen ist erlaubt – noch ein Grund dafür, dass es ab einer bestimmten Uhrzeit knallvoll ist, so dass man Leute primär dadurch kennenlernt, dass man beim Bierholen an der Bar direkt Wange an Wange lehnt – falls man kleiner ist, Wange an Schulter. Für alle, die nicht unter akuter Klaustrophobie oder Misanthropie leiden: hingehen, direkt neben dem Hauptbahnhof in der Dachauerstraße 7, kleine Mädchenbiere direkt in den Bauchladen schütten und unbegrenzt wohlfühlen. Falls du mehrere Freunde zu deiner Oma mitbringen möchtest, und gerne einen Tisch dazu hättest, empfiehlt sich eine Reservierung unter dieser Nummer.

cafekosmos52

Die Revolution sind wir. Oder vielleicht auch ihr. Beuys in Berlin und Kandinsky in München. Ich werde hingehen, zu Beuys jedenfalls. Kandinsky konnte ich schon als Kind nicht leiden, wahrscheinlich ist der graphische Plakat-Entwurf das Lässigste an der ganzen Ausstellung. Über Kunst lässt sich nicht streiten, entweder sie gefällt dir oder nicht. Dazwischen gibt es nichts, außer: keine Ahnung haben. Dann kann es einem entweder egal sein. Oder man kauft sich ein paar Werke, weil man das für eine gute Investition hält. Davon sind wir zum Glück weit entfernt. Dafür öfter und näher am Gedanken: Das hätte ich so ähnlich selbst auch hingekriegt. Trotzdem malt sich niemand ein eigenes Bild in einer einzigen Farbe, mit ein paar Farbspritzern oder Linien, und tut so, als wäre das was ganz Großartiges. Wahrscheinlich malen solche Künstler grundsätzlich nicht für sich selbst, sondern für die Wohnzimmer fremder Leute. Vielleicht ist das auch gut so. Vielleicht ist es das, wofür Kunst eigentlich da ist. Für Wohnzimmerwände, und nicht für Museen, in denen die Leute dann nicht wissen, wie sie vor den Bildern richtig stehen sollen. Aber falls du willst, male ich dir gerne ein Bild für deine Wand, kubistisch, impressionistisch, expressionistisch, was auch immer du willst. So gut wie der kann ich das nämlich schon lange.