Während es in den oberen Ausstellungsräumen der Neuen Pinakothek gewohnt schön ist an Atmosphäre und Gezeigtem (aktuelle Sonderausstellung: Der weite Blick – Landschaften der Haager Schule aus dem Rijksmuseum bis 19.01.), wirkt die Ausstellung zeigenössischer niederländischer Fotografie: Nature as Artifice im Keller so, als würde sie in einer Leichenhalle gezeigt. Tolle Bilder zeigen industrielle Tristesse und zugleich schöne Landschaften. Prima Programm fürs Wochenende, als Kontrast zu vollen Einkaufspassagen und Weihnachtsmarkt-Overkill.
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The Neverland Ranch without Michael Jackson.
Die aktuelle Peter Pan-Inszenierung der Münchner Kammerspiele von Schorsch Kamerun ist so ziemlich alles andere als ein Stück für Kinder ab 9 Jahren, auch wenn es so auf den Flyern angekündigt wurde. Hier wird eine allseits bekannte Geschichte zu einer Gesellschaftskritik; die Phänomene unseres Alltags werden hinterfragt, das Streben nach Individualismus und Freiheit als Massenbewegung aufgezeigt. Das ist im Prinzip nicht neu, funktioniert hier aber ohne erhobenen Zeigefinger. Dazu wird das Stück getragen von einer imposanten medialen Untermalung, mit blitzenden Lichtern und elektronischer Musik. Captain Hook erinnert spontan an jemanden – und ist überraschenderweise, entgegen der Gewohnheit anderen Adaptionen, die sympathischste und humorvollste Figur des ganzen Stückes. Der beste Satz: Wenn man sich schon Illusionen macht, dann aber richtig. (Ist eigentlich eher ein Song.) Hingehen, anschauen, freuen. Als kleinen Vorgeschmack gibt es hier den Trailer:
[youtube=http://de.youtube.com/watch?v=_vD0wXDca3o]
(Fotos von Andrea Huber via Münchner Kammerspiele)
Take this sinking boat and point it home.
Beim Namen „The Swell Season“ stellt sich erstmal kein Wiedererkennen ein. Ach, Glen Hansard und Markéta Irglová, da war was, und zwar der großartige Film Once und der Oscar 2008 für den besten Film-Song. In der Halle stehen Stühle, es ist ein Konzert mit Sitzplätzen und einem Konzertflügel auf der Bühne. Entgegen anfänglichen Befürchtungen wird der Abend nicht zu einer steifen Veranstaltung. Auch in der letzten Reihe reißt es das Publikum im Verlauf des Konzerts mehrmals von den Sitzen, statt Applaus in Raten gibt es Standing Ovations für Songs, die live noch viel intensiver und emotionaler sind, als man es sich je vorstellen konnte. Nach ein paar Liedern wird klar, warum Glen Hansards Gitarre ein riesiges Loch hat, und auch, wozu das Publikum die Sitzgelegenheiten dringend braucht.
Heute Abend hingehen: The Swell Season live in Köln im E-Werk, bevor die Tour nach England, Irland, Japan und Australien weitergeht. Unbedingt reinhören: The Swell Season. Once – der Soundtrack. Und der grandiose Support des Konzerts: Mark Geary.
Pretty petticoats – in all situations.
The Kooks in München im Zenith – eigentlich hätte man sich das mit dem sehr jungen und sehr weiblichen Publikum vorher denken können. Das Zenith war dazu so voll, dass man genau nichts sehen konnte. Als Vorbands spielten zuerst Johnny Flynn und dann die Band Mystery Jets – ab und zu konnte man die glitzernden Pailletten ihrer Shirts in der Ferne leuchten sehen. Eigentlich hätte alles schön sein können, wenn um uns herum nicht ein wahrer Zickenkrieg ausgebrochen wäre. Da fragte mich dann ein etwa 16 Jahre altes Mädchen, ob ich gerade ihre Freundin ausgelacht hätte. Hatte ich nicht – sonst hätte ich auch noch mit dem Finger auf sie gezeigt. Als die Kooks endlich anfingen zu spielen, brach eine Welle der Gewalt in unserem Bereich aus, die uns mehrere Meter von unserem Platz wegspülte – nach zwei Songs ließ der Schmerz immerhin nach. Das sind die Momente, in denen ich mich auf Bingo-Abende mit Heizdecke im Altersheim freue – auch wenn es leider noch etwa 60 Jahre dauert bis dahin. Insgesamt war es ein sehr solides Kooks-Konzert. Bilder von gestern Abend gibt es leider keine, die Kamera musste am Eingang abgegeben werden. Während dem Konzert blitzte es die ganze Zeit von Handys und kleinen Digicams – fotografieren war laut der Security nicht verboten, nur Spiegelreflexkameras. Man könnte mit dem Objektiv werfen. Mein Einwand, dass man auch mit einem Schuh werfen könnte und deswegen längst nicht alle die Schuhe ausziehen müssen, wurde mit einem „Aber ein Objektiv ist eben sehr schwer“ quittiert. Der gesunde Menschenverstand regiert jedenfalls nicht bei solchen Überlegungen – niemand würde sein wertvolles Objektiv bei einem Konzert werfen. Gesamtfazit: Musik war in Ordnung, der Rest sehr ernüchternd. (Foto via thekooks.com)
Anhören: The Kooks – Ooh La.
Come & Stay: Café Kosmos.
Ein bißchen wie in Berlin vielleicht, aber doch mitten in München – das Café Kosmos. Es sieht aus wie im Wohnzimmer deiner Oma, nur noch abgeranzter, mit offenen Löchern in den Wänden; statt Tee und Kaffee aus geblümtem Porzellan gibt es hier Astra und andere Getränke zum sehr günstigen Preis – anscheinend hat sich das schon rumgesprochen. An Stelle deiner Oma und ihrer Freundinnen hängt hier ein sehr gemischtes Publikum in den Biedermeier-Sesseln neben dir: ein bißchen Indievolk, ein paar Elektrokids (die Sorte, die sich selbst als „stylisch“ bezeichnen würde), ein paar Rockabillies und einige ganz „normale“ Leute sind auch da. Rauchen ist erlaubt – noch ein Grund dafür, dass es ab einer bestimmten Uhrzeit knallvoll ist, so dass man Leute primär dadurch kennenlernt, dass man beim Bierholen an der Bar direkt Wange an Wange lehnt – falls man kleiner ist, Wange an Schulter. Für alle, die nicht unter akuter Klaustrophobie oder Misanthropie leiden: hingehen, direkt neben dem Hauptbahnhof in der Dachauerstraße 7, kleine Mädchenbiere direkt in den Bauchladen schütten und unbegrenzt wohlfühlen. Falls du mehrere Freunde zu deiner Oma mitbringen möchtest, und gerne einen Tisch dazu hättest, empfiehlt sich eine Reservierung unter dieser Nummer.
Beuys vs. Kandinsky.
Die Revolution sind wir. Oder vielleicht auch ihr. Beuys in Berlin und Kandinsky in München. Ich werde hingehen, zu Beuys jedenfalls. Kandinsky konnte ich schon als Kind nicht leiden, wahrscheinlich ist der graphische Plakat-Entwurf das Lässigste an der ganzen Ausstellung. Über Kunst lässt sich nicht streiten, entweder sie gefällt dir oder nicht. Dazwischen gibt es nichts, außer: keine Ahnung haben. Dann kann es einem entweder egal sein. Oder man kauft sich ein paar Werke, weil man das für eine gute Investition hält. Davon sind wir zum Glück weit entfernt. Dafür öfter und näher am Gedanken: Das hätte ich so ähnlich selbst auch hingekriegt. Trotzdem malt sich niemand ein eigenes Bild in einer einzigen Farbe, mit ein paar Farbspritzern oder Linien, und tut so, als wäre das was ganz Großartiges. Wahrscheinlich malen solche Künstler grundsätzlich nicht für sich selbst, sondern für die Wohnzimmer fremder Leute. Vielleicht ist das auch gut so. Vielleicht ist es das, wofür Kunst eigentlich da ist. Für Wohnzimmerwände, und nicht für Museen, in denen die Leute dann nicht wissen, wie sie vor den Bildern richtig stehen sollen. Aber falls du willst, male ich dir gerne ein Bild für deine Wand, kubistisch, impressionistisch, expressionistisch, was auch immer du willst. So gut wie der kann ich das nämlich schon lange.















