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Der Videomitschnitt der #OJGA Session ist online – eine Diskussion mit Teresa Bücker, Anke Domscheit-Berg, Prof. Dr. Stefan Sell und Prof. Dr. Joachim Hasebrook zum Thema “Von Human Resources zu Human Relations – wie sieht die Arbeit der Zukunft aus?”
Technische Probleme führten dazu, dass die Interaktion mit dem Publikum nicht so funktionierte, wie es geplant war – der Knopf in meinem Ohr mit der Verbindung zur Regie (Anna-Mareike Krause) fiel während der Show immer wieder aus und es war nichts außer einem Rauschen zu hören.
Der Heimvorteil von Jauch ist am Ende sein technisch perfektes Studio, sein riesiges Team und sein Budget – unser Showbudget lag bei 0,00 €.
Trotzdem ist es ein spannendes Gespräch geworden – auch wenn eine Stunde nicht reichte für dieses große Thema, denn am Ende hätten wir einen ganzen Tag darüber reden können.


An der Haltestelle blendet die Morgensonne und einen Moment lang weiß ich nicht, wo wir uns schon einmal gesehen haben, aber dann erinnere ich mich wieder. Im Winter nahm er den schönsten Weihnachtsbaum aus der Halterung, um ihm danach eine weiße Baumstrumpfhose anzuziehen, die die Äste zusammenhält. Er sieht mich nicht, er schaut sich nicht um, als er in seine Tasche greift und einen langen Schluck aus der Kornflasche trinkt.
Langsam fährt die Bahn an einem Friedhof vorbei, vor dem sich gerade eine Trauergesellschaft in Feiertagsmontur mit Blumen und Kränzen zusammenfindet.
Sie umarmen sich, gefasst; niemand weint, nicht auf der Straße.

Nach einem langen Tag komme ich nach Hause und sehe den Mann ein paar Häuser weiter wie immer aus dem Fenster gelehnt, ein Stützkissen unter seinen Armen, damit wenigstens das Aufstützen selbst nicht so weh tut. In unserer Straße passiert nicht viel, es gibt hier nur wenige Passanten, kaum jemand geht vorbei, er steht da trotzdem immer, eine Statue der Einsamkeit. Er hat kein anderes Fenster zu einer anderen Straße. Als ich eine halbe Stunde später wieder vorbei gehe, steht er nicht mehr am Fenster; die Wohnung flackert jetzt neonhell in Fernsehfarben.

In der Schlange sind die anderen Konzertbesucher auffallend jung oder alt, die meisten haben ihre Eltern dabei, die während des Konzerts natürlich nicht neben ihnen stehen dürfen. Vom ersten bis zum allerletzten Lied ist die Stimmung ausgelassen, als wäre dieser Abend sehr wichtig, eine Ausnahmesituation für alle Beteiligten. An den Sitzgelegenheiten bildet sich eine Einheit aus Abholvätern, die sich zu einer Wartegruppe zusammenschließen und gemeinsam auf ihren Smartphones Fußballergebnisse verfolgen.

Die Nacht dauert an, es wird gefeiert und geredet, über Arbeit, Heimat und Zukunft, aber nicht über die Sehnsucht, die hinter all dem steht. Wir erkennen uns nicht mehr, der Raum ist groß genug für alle und die Musik so laut, dass die Worte nicht so schwer wiegen. Als ich später in der Dunkelheit auf die Straße trete, habe ich keine Ahnung, was mich erwartet; ich kenne diese Stadt und ihre Krawalle in Nächten wie dieser nur aus der Tagesschau, weit entfernt von hier, warm und sicher.

Manchmal lese ich verschiedene Texte, die sich alle mehr oder weniger dann zu einem Thema zusammenformen, im Moment: Das Leben ist kurz.

Das Nuf: Geht euch doch selbstverwirklichen, ich gehe arbeiten

James Rhodes: Find what you love and let it kill you (The Guardian Blog)
“And only when the pain of not doing it got greater than the imagined pain of doing it did I somehow find the balls to pursue what I really wanted and had been obsessed by since the age of seven – to be a concert pianist.”

Panayotis Vryonis: VSRE – Very short reply expected (Email Etiquette)

Lisa B. Adams: Expiration Date
My life didn’t end in that moment, but life as I knew it ended for sure.
(Lisa B. Adams hat Krebs in Stadium IV und bloggt wahnsinnig bewegend: über das Loslassen, über Trauer, über das eigene Verfallsdatum. Nicht einfach zu lesen, aber immer lesenswert.)


Zach Braff sammelt gerade auf Kickstarter Geld für seinen zweiten Film “Wish I was here” – weil er genau den Film machen möchte, der ihm am Herzen liegt. Mit der Besetzung und dem Team, an das er glaubt. Mit der Handlung und den Drehorten, die er sich aussucht. Und mit dem Final Cut, in den niemand reinreden soll.
Das Video dazu ist wahnsinnig auf den Punkt – und innerhalb von 12 Stunden hat er über eine Million $ gesammelt.
Ich kann euch die Unterstützung dieses Films nicht genug ans Herz legen.
(Und: ist das nicht wahnsinnig großartig, dass das Internet so etwas heute so einfach möglich macht? Wow.)

In den letzten beiden Tagen fand die Next Conference 2o13 in Berlin statt mit dem Motto “Here be dragons” – eine Warnung, die im Mittelalter auf Karten verwendet wurde, um unerforschtes Gebiet zu kennzeichnen. Eine Reise ins Unbekannte, als Motto für eine Digitalkonferenz; als Erinnerung, dass wir uns in neue Gebiete aufmachen sollten.
(Ein seltsames Gefühl: in den letzten Jahren wurde ich etwa hundert mal gefragt, was Mittelalterliche Geschichte mit der Internetbranche zu tun hat, und wieso ich erst das eine machte und jetzt das andere  - das hätte ja schließlich nichts miteinander zu tun.
Here be dragons, baby.)


Den mitreißendsten Vortrag hielt Harper Reed, CTO der Obama Kampagne 2012 (hier ist der Vortrag nachzulesen, als Video hier zu sehen). Spannend, wie wichtig die internationale Tech-Szene Diversity findet – und wie Deutschland von internationalen Speakern in dieser Hinsicht fast schon als “Entwicklungsland” angesehen wird.
“Look around, there are just white dudes around us and the only non-white guy is a waiter.”


Auf der Konferenz sprachen 97 Männer und 32 Frauen – eine Männerquote von 75%, was sich für viele Teilnehmer/innen schon sehr fortschrittlich anfühlte.
Teresa Bücker, Johannes Kleske und ich sprachen mit den Teilnehmenden unseres Workshops “Shaping the future of digital work” über die Zukunft der Arbeit – mit erstaunlichen Ergebnissen und einer spannenden Diskussionsrunde.


Am Ende bleibt das Fazit von Harper:
Diversity isn’t easy – but you have to try. And you have to talk about it.
Wir sollten daran arbeiten, bis internationale Speaker auf deutschen Konferenzen fragen:
Wow, great conference line up – where did you find all those great people?
Vielleicht ist das einer der größten Drachen, die wir zu bezwingen haben.


Pummelige Tiere gehören seit jeher zu meinen Kerninteressen – und dann besonders die, die sich auf diese Art heranstrawanzen.