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Gestern Abend kam auf Arte eine neue Ausgabe der Sendung „Durch die Nacht mit…“, diesmal mit Henryk M. Broder und Kai Diekmann. Zuvor hatte ich mich für die Publikationen von keinem von beiden interessiert, wobei ich wahrscheinlich eher aus Neugier die Bildzeitung als die „Achse des Guten“ lesen wollen würde. Dass ich auf die Sendung überhaupt aufmerksam wurde, hat wohl mit zahlreichen Tweets zu tun, in denen es wie ein Must-See wirkte. Und wirklich – das war es dann auch. Ein reicher Fatzke aus gutem Hause, Chef der am meisten gelesenen und gleichzeitig unter Bildungsbürgern am meisten verachteten „Volks-Aufklärer-Zeitung“ trifft auf gewollt gutmenschlichen Provokateur-Schreiberling aus einfachen Verhältnissen. Eigentlich wären die Sympathien von vorneherein klar verteilt, aber die Sendung zeigt, dass es doch nicht ganz so einfach ist.

Gemeinsam fahren die beiden durch Berlin, und besuchen Orte, die einer von beiden vorgeschlagen hat. Broder zieht eine peinliche Kopfbedeckung nach der anderen hervor, und diese zwanghafte Aufmerksamkeitssucht, auch nach negativer Aufmerksamkeit, wird untermalt von seiner Frage: „Genieren Sie sich nicht mit mir?“ – worauf Diekmann sehr schön antwortet mit: „Jeder blamiert sich, so gut er kann.“ Verschiedene Lokale werden besucht, darunter auch ein türkisches Internetcafé, indem Broder Diekmann dazu nötigt, seine Internetseite anzuklicken; später besuchen die beiden das Atelier eines total zugedröhnten Künstlers, mit dem Diekmann nach eigener Aussage mal „bei irgendner Charity-Geschichte, fragen Sie mich nicht“ zusammengearbeitet hat. Der Künstler kann kaum sprechen in seinem Rausch, und die beiden kaufen dann schnell ein bisschen Kunst, die Kai Diekmann nicht mit nach Hause nehmen kann „weil seine Frau dann Anfälle kriegt“. Broder leiht ihm die restlichen 50 Euro, und das ist für ihn wohl einer der größten Momente. Dann geht es noch recht kurz durch die Druckerei, in der die Bild gedruckt wird.

Zum Abschied sagt Diekmann wie zur Begrüßung „Verehrung, Verehrung.“ Es klingt nicht mal wie ein Scherz, vielleicht ist es eine seltsame Angewohnheit, aber dennoch irgendwie so gemeint. Was bleibt nach diesen 52 Minuten sind vor allem die großartigen Blicke, die sich die beiden zuwerfen. Einerseits wird der andere jeweils belächelt, andererseits ist auf beiden Seiten der aufrichtige Wunsch da, sich mit der Person des anderen auseinanderzusetzen. Und am Schluss ging ich ins Bett als großer Diekmann-Fan, der aus seiner kapitalistischen Natur keinen Hehl macht, und im Gegensatz zum anbiedernden Gutmenschentum von Broder ganz offen bekennt: „Ich war nie links.“ Auf Arte kann man online noch eine Woche lang den ganzen Beitrag sehen – mindestens einmal, noch besser zweimal. Da kommen die Perlen besser zur Geltung.