Eigentlich schon. Ununterbrochen. Wie gut es ist, wieder hier in der Stadt zu sein, nur für ein paar Tage. Wie seltsam es gleichzeitig ist, in einer fremden Vierer-WG zu Gast zu sein, ich fühle mich heutzutage merkwürdig, mit meinem Waschbeutel unter dem Arm einen dunklen Flur entlangzutappen, um mir die Zähne zu putzen; ich bin so gewöhnt an meine Komfortzone, in der alles von mir ist, in der ich nicht verlegen herumschleichen muss und nicht vor dem Bad warten, und zwar nie. Ständig sind Geräusche in der Wohnung, Hundebellen und daraufhin Hundeerziehung, passiv-aggressives Staubsaugen und Small Talk, ich im Schlafanzug, er noch im Wintermantel. Ich nehme viel Rücksicht, und spiele großzügig immer und immer wieder dieses Lied von The National, vielleicht gefällt es ihnen, wenn sie es nur oft genug gehört haben; die Boxen haben hier eine überdurchschnittlich gute Raumqualität, man hat sicher auch nebenan noch viel davon. Man will ja nicht so sein; man möchte ja auch was zurückgeben. Aber, mal im Ernst: Alles in allem hervorragend.
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Where my music’s playing.
Ich liebe ihre vollkommen unmöglichen Rollkragenpullover und ihre schüchtern-ernsten Gesichter. Und dieses Lied.
To be where my water meets my stones.
***
We could start all over.
There’s room left in the house. There’s food still in the pantry. I could fix you lunch, or take you out for coffee. If you would come back home, we could start all over. If you would come back home, I swear it would be better. (William Fitzsimmons, wer sonst?)
Oh my god, I can’t believe it.
Hätte ich auch nicht gedacht, aber Video 2 der Coming Home Compilation ist tatsächlich eine Werbung des magentafarbenen Mobilfunkriesen. Ein gekaufter Pseudoflashmob mit gänsehauttauglichem Gesang: Mein Favorit des Tages.
What it sounds like.
Es gibt immer einen Soundtrack zum eigenen Leben, die Lieder, die einem gerade nah sind oder es immer sein werden. Die, die gerade auf Repeat laufen und die, die man lange nicht gehört hat und in die man reinschlüpfen kann wie in einen warmen Wintermantel, wenn es draußen schneit. Es gibt natürlich auch diese kryptischen musikalischen Liebeserklärungen, die man zu Compilations zusammenstellt, wobei Männer das meistens nicht so verstehen. Vermutlich wäre es effizienter, mit einem großen Schild zu winken, auf dem “Ich liebe dich! Ja, genau dich!” steht. Darum geht es hier: eine musikalische Liebeserklärung, obwohl diese Liebe tatsächlich keine Beweise und keine großen Gesten braucht; sie kommt ohne die üblichen Spielchen aus und stellt keine Bedingungen. Diese eine Liebe wird nie zuende gehen.
Tatsächlich ist Heimat mehr als nur ein Ort, es ist ein flächendeckendes Gefühl von Geborgenheit, es sind die Worte, die uns von anderen Orten abgrenzen, weil man sie dort nicht verwendet; und es sind immer wieder die Menschen, die einen durch ihre reine Anwesenheit vervollständigen. Da gibt es nicht viele, für die ich jederzeit meine Hand ins Feuer legen und vor Gericht sofort lügen würde, ohne zu fragen, worum es eigentlich geht. Die, denen ich ohne Zögern meine Passwörter verraten würde und ihnen alles anvertrauen, was mir wichtig ist. Diese Menschen, die noch nie Schönwetterfreunde waren, sondern schon immer vierjahreszeitentauglich; die, die noch nie eine Bedienungsanleitung brauchten, um mich zu verstehen, sondern mich manchmal besser kennen als ich mich selbst.
Man verliert sich nicht über eine längere Distanz; aber es macht wirklich einen großen Unterschied, ob man sich fast jeden Tag Mails schreibt oder ob man nach einer langen Woche mit einem Glas Wein in der Hand nebeneinander auf dem Sofa sitzt. Dass der Unterschied so gewaltig sein würde, hätte ich vorher nicht gedacht; dass ich das Gefühl hätte, als würde tatsächlich ein Teil von mir selbst fehlen, wenn wir zu weit voneinander entfernt sind. Dass ich nicht ankommen konnte, weil ich nicht alles dabei hatte.
Viele meiner Lieblingsmusiker haben sich in einem Lied mit dem Thema Nachhausekommen beschäftigt, und während ich mich in den nächsten Wochen darauf vorbereite, gibt es hier im Blog als Serie eine “Coming Home Compilation”, zusammengestellt aus mehr oder weniger frickeligen Youtube-Videos; als Liebeserklärung an diese Handvoll Menschen, auf die ich nicht verzichten kann.